Hohebuch/Berlin, 10. Januar 2017. Beim Hohebucher Agrargespräch des Evangelischen Bauernwerks bezeichnete Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), die Globalisierung der Agrarmärkte als unumkehrbares Faktum und zugleich große Chance für den Agrarhandel sowie die gesamte Wertschöpfungskette. „Das bestimmt unser Engagement und darauf richten unsere Mitgliedsunternehmen ihre Strategien aus. Während hierzulande und in der Europäischen Union die Nachfrage stagniert, verdoppelte sich der Agrarhandel weltweit von 2006 bis 2014 auf inzwischen 1.575 Mrd. US-Dollar. Der Handel wächst schneller als die Produktion. Diese Verantwortung und Chance muss das deutsche Agribusiness konsequent nutzen“, betonte Nüssel bei der heutigen Tagung zum Thema „Ackern für welche Märkte – regional, national, global?“.

Der Agrarhandel ist kein geeignetes Instrument, um z. B. das Hungerproblem in Entwicklungsländern zu lösen. Vielmehr müssen vor Ort die wirtschaftlichen Kräfte gestärkt werden. Dazu zählen stabile Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, verlässliche Eigentumsrechte, Ausbau der Infrastruktur, funktionsfähige Märkte und nicht zuletzt Politiken zur Stärkung der ländlichen Räume, um Abwanderungen in Metropolen zu unterbinden und um Fluchtursachen zu beseitigen.

Gut zwei Drittel des deutschen Agrarexports sind für EU-Mitglied­staaten bestimmt, lediglich ein knappes Drittel wird bislang in Drittländer ausgeführt. Nüssel machte deutlich, dass der Agrarhandel keine Einbahnstraße ist. Deutschland ist Nettoimporteur mit einem jährlichen Handelsdefizit von rd. 10 Mrd. Euro. „Unsere Branche zeichnet sich durch hochwertige und sichere Nahrungsmittel aus und handelt weniger mit Agrarrohstoffen. Sie verfügt vielmehr über eine sehr kompetente, innovative Leistungs- und wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette. Deshalb werden unsere Produkte weltweit nachgefragt. Aber diese Wettbewerbsfähigkeit wird zunehmend in Frage gestellt, z. B. durch gesellschaftspolitische Diskussionen, die die komplexe arbeitsteilige Agrarwirtschaft untergraben“, so der DRV-Präsident.

Kritisch bewertete Nüssel jüngste Vorstöße zur Einführung eines staatlichen Tierschutzlabels. „Unsere Branche bringt sich intensiv und konstruktiv in die gesellschaftspolitische Debatte um die zukunftsfähige Nutztierhaltung ein. So wurden 2016 wichtige Weichen zur erfolgreichen Fortführung der Initiative Tierwohl gestellt. Mit dieser finanziellen Absicherung haben führende Häuser des Lebensmitteleinzelhandels sowie Discounter ein klares Bekenntnis zur Initiative Tierwohl abgegeben. Ein weiteres, vom Einzelhandel und von den Verbrauchern honoriertes staatliches Tierschutzlabel, das parallel zur Initiative Tierwohl auf den Markt tritt, sehe ich als kritisch an“, so Manfred Nüssel beim Hohebucher Agrargespräch. Bei der Auflage neuer Programme und Labels muss grundsätzlich die Wirtschaftlichkeit für alle Marktpartner sichergestellt werden. Jedes Label benötigt kalkulatorische Sicherheit, insbesondere wenn ein hoher Durchdringungsgrad erreicht werden soll.

Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 2.250 DRV-Mitgliedsunternehmen im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 82.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 61,7 Mrd. Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.



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