Milchwirtschaft

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Wie in den anderen Kernbereichen der deutschen Agrarproduktion kommt den genossenschaftlichen Unternehmen auch bei der Erfassung, Verarbeitung und Vermarktung von Milch eine zentrale Bedeutung zu. Ihr Anteil am nationalen Milchaufkommen erreicht rd. zwei Drittel.

In den Molkereigenossenschaften haben sich die Milcherzeuger wirtschaftlich organisiert, um ihre Position auf den Märkten zu stärken, eigenen Einfluss auf die Märkte auszuüben und damit auch den Wettbewerb auf diesen Märkten mit zu gestalten. Damit ist die unternehmerische Zielsetzung der genossenschaftlichen Milchwirtschaft darauf ausgerichtet, die von den Erzeugern aufgenommene Milch in leistungsfähigen Unternehmenseinheiten weitestgehend über ertragreiche und zukunftssichere Märkte zu verwerten.

Zur genossenschaftlichen Milchwirtschaft zählten zum Jahresende 2010 insgesamt 264 Unternehmen, die einen Umsatz von rd. 11,9 Mrd. Euro erzielten. Die Milchverarbeitung konzentriert sich inzwischen auf 51 genossenschaftliche Unternehmen. Bei den restlichen zur Sparte zählenden Unternehmen handelt es sich in der weit überwiegenden Anzahl um Milchliefergenossenschaften, die den von ihren Mitgliedern erfassten Rohstoff an Verarbeitungsunternehmen weiterleiten.

Links zu einigen nach Umsatz größeren genossenschaftlichen Unternehmen:  

Bayernland eG   
DMK Deutsches Milchkontor
Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH
Milch-Union Hocheifel eG    

Adressen weiterer Molkereigenossenschaften finden Sie in unserem Raiffeisen-Atlas.

Die genossenschaftliche Milchwirtschaft ist mit einem sich rasch wandelnden wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert. Mit der zunehmenden Liberalisierung und Internationalisierung der Agrarmärkte, dem nach der Agrarreform noch deutlicher werdenden Rückzug des Staates aus der Stützung des EU-Milchmarktes, dem sich europaweit beschleunigenden Konzentrationsprozess bei industriellen Partnern, Wettbewerbern und insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel wird sich der Wettbewerbsdruck weiter erhöhen.

Dabei können auch die Molkereigenossenschaften den für den Milchmarkt sich wandelnden Rahmen und den Wettbewerb nicht aufheben, vielmehr sind auch sie im Blick auf die Sicherung und den Ausbau ihrer Leistungsfähigkeit zur Anpassung gezwungen. Somit stellt sich die genossenschaftliche Milchwirtschaft auf diese Herausforderungen wie auf die sich stetig wandelnden Verbraucherwünsche und -gewohnheiten auf dem Binnenmarkt und den Drittlandsmärkten durch die ständige Überprüfung und Anpassung ihrer Kosten und Strukturen, aber auch der jeweiligen Produkte und Sortimente, ein.

In den letzten Jahren ist der strukturelle Anpassungsprozess in der Branche und bei den genossenschaftlichen Molkereiunternehmen mit eigener Milchverarbeitung sehr dynamisch verlaufen. Ergänzend zur rein statistischen Aussage hinsichtlich der Unternehmenszahl ist anzumerken, dass hierin die zwischen den Unternehmen darüber hinaus praktizierten vielfältigen Formen der Zusammenarbeit und Kooperation bei Beschaffung, Verarbeitung und Vermarktung nicht zum Ausdruck kommen.

 

Milchmarkt 2010/2011

Der Milchmarkt stellte sich 2010 in einer gegenüber dem Vorjahr deutlich verbesserten Verfassung dar. Er hat sich nach dem Krisenjahr 2009 schneller und in einem stärkeren Maße erholt als noch zu Jahresbeginn erwartet worden war. Die Produkterlöse und damit auch die Milcherzeugerpreise konnten sich nach den Tiefstständen des Vorjahres spürbar positiv entwickeln.

Die weltweite Milcherzeugung zeigte im abgelaufenen Jahr 2010 ein wieder beschleunigtes Wachstum. Die Gesamtproduktion wird von der FAO auf knapp 711 Mio. t geschätzt. Dies entspricht einem Anstieg um 1,7 % (Vorjahr + 0,7 % auf 699 Mio. t). Dennoch blieb die Steigerungsrate noch hinter der durchschnittlichen Wachstumsrate von 2,1 % in der letzten Dekade zurück. Überdurchschnittlich hohe Zuwächse zeigten sich in China und Indien, auf die mit rund 8,4 Mio. t ein erheblicher Anteil der Mehrproduktion entfiel. Steigerungen wurden auch für Brasilien, die EU und die USA verzeichnet, auf die zusammen ein Plus von etwa 2,4 Mio. t verzeichneten.

Stärker als die Produktion dürfte vor dem Hintergrund einer im Jahr 2010 in vielen Ländern wieder gewachsenen Kaufkraft und damit stärkeren Nachfrage, vornehmlich aus Asien, Russland und einigen Öl exportierenden Ländern, der Handel mit Milchprodukten am Weltmarkt gestiegen sein. Hier rechnet die FAO mit einer Zunahme um 5,7 % auf 46,0 Mio. t, eine Menge, die etwa 6,5 % der Weltmilchproduktion entspricht. Auch für 2011 wird von einem weiter steigenden Welthandel ausgegangen, wobei sich der optimistische Ausblick dann eintrüben dürfte, wenn es zu signifikanten Kostensteigerungen für Futtermittel kommen sollte.

In der Europäischen Union hat sich im Jahr 2010 die Milchanlieferung an die Molkereien um 1,5 Mio. t (+ 1,1 %) auf 135,4 Mio. t erhöht. Damit wurde der Rückgang des Vorjahres mit einem Minus von 0,6 Mio. t mehr als aufgeholt. Trotz dieser Steigerung ist dennoch festzustellen, dass sich die Anlieferung in der EU zunehmend von der Entwicklung der verfügbaren Milchquoten entkoppelt und sich der bereits in den vergangenen Quotenjahren zu verzeichnende Trend einer wachsenden Unterlieferung bestätigt. Das Quotenjahr 2010/11 schloss für die EU-27 mit einer Unterlieferung von 10,0 Mio. t bzw. 6,9 % der verfügbaren Anlieferungsquoten ab, wobei die nationale Quote in nur noch drei Mitgliedstaaten - Dänemark, den Niederlanden und in Zypern - überschritten wurde. Bereits in den beiden vorangegangenen Quotenjahren hatte die Unterlieferung 1,6 % bzw. 3,8 % der Quote betragen.

Hinter dem gegenüber dem Vorjahr erhöhten Milchaufkommen der gesamten EU-27 zeigten sich erneut sehr differenzierte Einzelentwicklungen. Während sich in einer Reihe von Mitgliedstaaten ausgeprägte Produktionsrückgänge ergaben, so z. B. vor allem in Polen, Ungarn und Italien, waren die mengenmäßig größten Zuwächse in Frankreich, Irland, Deutschland und dem Vereinigten Königreich zu beobachten.

In Deutschland erhöhte sich die Milchanlieferung 2010 um 1,6 Prozent auf eine neue Rekordmarke von rd. 29,1 Mio. t. Die Märkte zeigten sich für die höhere Milchproduktion aufnahmefähig, so dass auch der im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens zur Jahresmitte begonnne Abbau der im letzten Jahr gebildeten Interventionsbestände keinen Marktdruck verursachte. Die Produktionsentwicklung folgt inzwischen wieder dem langfristigen Trend mit Zuwächsen bei Käse- und Frischprodukten sowie sinkender Butter- und Magermilchpulverproduktion. Insbesondere der Käsemarkt konnte 2010 wieder an seinen langfristigen Wachstumstrend anknüpfen.

Bei unverändert hoher Preissensibilität der Verbraucher hat sich die Haushaltsnachfrage nach Milcherzeugnissen nur in Teilbereichen erholt. Hingegen verzeichnete der Außenhandel mit Milchprodukten nach dem Rückgang im Krisenjahr 2009 im Jahr 2010 ein kräftiges Wachstum. Das Exportgeschäft hat den nationalen und den EU-Markt damit spürbar entlastet. Es trägt auch in das Jahr 2011 hinein zu einer Verstetigung der stabileren Marktverfassung wesentlich bei.

Vor dem Hintergrund der erfolgten Markterholung konnten die Milcherzeugerpreise deutlich angehoben werden. Sie erreichten im Jahresdurchschnitt 30,09 Cent/kg mit 3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß, womit das Vorjahresergebnis um rd. 6 Cent bzw. knapp 25 Prozent übertroffen wurde.

In das Jahr 2011 blickt die genossenschaftliche Milchwirtschaft mit Zuversicht. Die Märkte starteten mit überwiegend besseren Preisen als und niedrigeren Beständen als zu Jahresbeginn 2010. Die Milchanlieferung, die mit den höheren Milcherzeugerpreisen in den letzten Monaten deutlich stimuliert wurde, wird voraussichtlich nicht mehr so stark wachsen, da die Milchquote einen geringeren Spielraum lässt. Die Chancen für einen sich weiter stabilisierenden Verbrauch von Milch und Milcherzeugnissen sind als recht günstig einzuschätzen, da in Deutschland für 2011 steigende Einkommen und ein positives Konsumklima zu erwarten sind.

Als Voraussetzung für eine stabile Marktentwicklung wird auch 2011 der Außenhandel eine starke Rolle spielen müssen. Vorliegende Prognosen zur Entwicklung der weltweiten Nachfrage zeichnen hierzu ein kurz- und mittelfristig optimistisches Bild. Dennoch ist gerade das Exportgeschäft von Unwägbarkeiten geprägt. Insbesondere die Wechselkurse können rasche Veränderungen der relativen Wettbewerbsfähigkeit an den internationalen Märkten bewirken. Angesichts damit verbundener stärkerer Preis- und Einkommensschwankungen und der Erfahrungen des Krisenjahres 2009 ist nach Auffassung des DRV daher auch im Rahmen der GAP nach 2013 ein wirksames Sicherheitsnetz für den Milchmarkt zu erhalten.

Weitere Infos:
Dipl.-Ing. agr. Heinrich Schmidt
Tel. 030 856214-480
Fax 030 856214-469
E-Mail:   und