Obst, Gemüse, Gartenbau

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Nach ersten Schätzungen des DRV steigerten die Unternehmen der genossenschaftlichen Obst-, Gemüse- und Gartenbauwirtschaft ihre Umsätze im Jahr 2009 auf ca. 2,7 Mrd. Euro (+ 8 %). Nach einer aus preislicher Sicht krisengeprägten Vermarktungssaison ist dieser positive Geschäftsverlauf insbesondere auf den Branchenprimus zurückzuführen, der einen überdurchschnittlichen Absatz verzeichnete und seine Vermarktungsaktivitäten sowie neue Auslandsgesellschaften in Großbritannien, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden ausbaute.

Blumen- und Pflanzenvermarktung

Die organisierte Blumen- und Pflanzenvermarktung in Deutschland blickt 2009 auf ein Jahr mit ausgesprochen guten Wachstumszahlen zurück. Dieses Ergebnis ist auf einen überdurchschnittlichen Saisonverlauf im Vertrieb und in den Abholmärkten zurückzuführen. Zudem schlägt eine Ausweitung der Aktivitäten sowie die Installation neuer Auslandsgesellschaften in Großbritannien, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden zu Buche. Für 2009 wird ein Konzernumsatz von ca. 1,65 Mrd. Euro (+ 30 %) erwartet. Davon entfallen ca. 1,06 Mrd. Euro auf die Blumen- und Pflanzenvermarktung.

 

Die AMI prognostiziert für Deutschland ein Marktvolumen von rd. 8,53 Mrd. Euro zu Einzelhandelspreisen und einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch für Blumen und Pflanzen von etwa 104 Euro. Das entspricht für 2009 einem Rückgang des Gesamtmarktes um vier bis fünf Prozent im Vergleich zu 2008. Für Schnittblumen wurden 2009 nach ersten Schätzungen rd. 2,95 Mrd. Euro zu Einzelhandelspreisen ausgegeben, für blühende und grüne Zimmerpflanzen rd. 1,7 Mrd. Euro sowie für Gartenpflanzen ca. 3,88 Mrd. Euro. Der Gartenmarkt umfasst Ausgaben für Beet- und Balkonpflanzen, Stauden sowie Gehölze. Die Beet- und Balkonpflanzensaison sowie die Umsätze im Staudenbereich entwickelten sich vor allem aufgrund der günstigen Witterung positiver als der Gesamtmarkt.

Obstvermarktung

Die deutsche Obsternte 2009 zählt mit geschätzten 1,4 Mio. t zu den größten der letzten fünf Jahre. Bei vielen Kulturen stand der Markt unter Druck. Neben dem großen Obstangebot hatte auch die Wirtschaftskrise tiefgreifende Auswirkungen auf das Marktgeschehen.. Nach Angaben des GfK-Haushaltspanels wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2009 rund 2 Prozent weniger Frischobst gekauft als im Vorjahreszeitraum.


Der Apfel ist unangefochten die Nummer 1 unter den Top 10 der meistgekauften Obstarten in Deutschland und hat bei den Erzeugerorganisationen einen Umsatzanteil von über 80 Prozent. Aus der Sicht organisierter Vermarktung ist die Apfelsaison 2008/09 zufrieden stellend verlaufen. Die Erzeugerorganisationen in Deutschland reagierten im Vergleich zu anderen europäischen Wettbewerbern frühzeitig auf die negative Kaufstimmung und senkten die Preise. Der Anteil inländischer Ware kletterte auf 58 Prozent (2003/04: 50%). Nach den bisher vorliegenden Meldungen zum 1. November steuern die westeuropäischen Anbaugebiete auf einen rekordverdächtigen Apfelbestand zu. Es wird erwartet, dass die vom Statistischen Bundesamt herausgegebene Prognose von knapp 970.000 t (Vorjahr 1,04 Mio. t) überschritten wird.

 

Im Vergleich zu anderen Obstarten schnitt die Erdbeersaison in diesem Jahr positiv ab. Trotz der umfangreichen Ernte konnten die Erzeugerorganisationen höhere Erlöse als in den Vorjahren erzielen. Allerdings startete die Saison der frühen Erdbeeren mit niedrigeren Preisen als in den letzten Jahren. Dies war auch eine Folge der Wirtschaftskrise. Nach der letztjährigen schwachen Zwetschenernte war das Angebot an heimischer Ware 2009 mit 62.600 t reichlich, allerdings bei enttäuschend niedrigen Preisen. Regional unterschiedlich verlief die Süßkirschensaison. Die überdurchschnittliche Ernte betrug 39.000 t. In der Saison herrschte über weite Strecken ein massiver Angebotsdruck und die Preise lagen auf einem schwachen Niveau.

 

Die deutsche Produktion steht in Konkurrenz zu den umfangreichen türkischen. Importen, die wegen ihrer Angebotskontinuität vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugt werden.

Gemüsevermarktung

 

.Die Gemüseproduktion erreichte in Deutschland mit 3,57 Mio. t einen neuen Rekordwert. Dafür waren vor allem die hohen Erträge verantwortlich, zumal die Fläche geringfügig
(- 1 %) auf insgesamt 115.229 ha gesunken ist. Auf die in Deutschland bevorzugte Freilandproduktion entfielen 2009 rd. 3,36 Mio. t (+ 3 %). Hinzu kamen ca. 150.000 t Gemüse aus Gewächshäusern und ca. 58.000 t Kulturpilze. Von April bis einschließlich August ergab sich ein Plus von 3,4 Prozent bei der Absatzmenge. Der Umsatz ging dagegen um fast 6 Prozent zurück. Die deutschen Importe fielen in den ersten Monaten des Jahres 2009 geringer aus, da das Angebot aus Spanien witterungsbedingt begrenzt war.

Die deutschen Exporte haben ihren Wachstumspfad 2009 voraussichtlich nicht fortsetzen können. Bis einschließlich August lag die Branche gut 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Freilandgemüse-Saison 2009 begann für die Erzeugerorganisationen in preislicher Hinsicht mit einem Fehlstart. Im Gegensatz zum Vorjahr mit seinem zögerlichen Erntebeginn kamen 2009 sehr rasch aufeinanderfolgende Anbausätze zur Ernte, die damit innerhalb weniger Tage am Markt abgesetzt werden mussten. Im Verlauf der Saison waren die Absatzmengen der Erzeugermärkte bei einigen Kulturen nicht höher als in den Vorjahren. Dennoch blieben die Preise auch bei diesen Produkten niedrig. Die Einkaufsmengen an Frischgemüse sind in Deutschland nach einer AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels in den ersten zehn Monaten des Jahres 2009 gegenüber dem Vorjahr um knapp 1 Prozent gesunken. Der Anteil deutscher Ware am Gesamtmarkt ist erneut leicht gestiegen. Die Discounter halten rd. 54 Prozent an der Einkaufsmenge, ihr Anteil an den Verbraucherausgaben ist geringfügig gesunken. Die aggressive Preissenkungspolitik, die u. a. im Zuge von Filialübernahmen betrieben wurde, hat sich für die Discounter nicht ausgezahlt.

Novellierung der EU-Vermarktungsnormen

 

Die EU-Kommission hat im Rahmen der vergangenen Reform der Gemeinsamen Marktorganisation für Obst und Gemüse zahlreiche Änderungen im Bereich u. a im Bereich der Produktkennzeichnung durchgeführt.
Die Verhinderung der ersatzlosen Abschaffung von 26 kennzeichnungspflichtigen EU-Vermarktungsnormen zum 1. Juli 2009 war daher ein zentrales Arbeitsfeld im Berichtsjahr. Eine ersatzlose Streichung dieser wichtigen Vermarktungsnormen konnte dank dem DRV durch das Drängen auf eine konsequente Anwendung der UNECE-Normen verhindert werden. Das Entstehen eines Flickenteppichs im Kreis der Letztverteiler konnte somit erfolgreich verhindert werden

Fruit Logistica

Traditionsgemäß, allerdings zum letzten Mal, fand in 2009 der gemeinsame Messeauftritt von CMA und BVEO, auf dem fast alle deutschen Erzeugerorganisationen für Obst und Gemüse vertreten sind, statt. Der Gemeinschaftsstand integriert - wie in den Vorjahren auch - Firmen und Organisationen, wie den 5-am-Tag e.V., das Deutsche Obst-Export Kontor (DOEK), die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) und die QS Fachgesellschaft Obst-Gemüse-Kartoffeln, zu deren Gründungsmitgliedern die BVEO zählt.
BVEO bedauert Absatzfondsurteil
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit des Absatzfondsgesetzes wird von den deutschen Erzeugerorganisationen sehr bedauert. Sie sehen in dem Karlsruher Urteil aber auch die Notwendigkeit und Chance für einen Neubeginn nach CMA und ZMP

AMI und GEFA

Als Reaktion auf das Absatzfondsurteil wurde als Neugründung für die sich in Liquidation befindliche ZMP die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) gegründet. Die BVEO ist einer der Gründungsgesellschafter. Seit Mitte 2009 bietet die AMI erfolgreich Dienstleistungen im Bereich der Markt- und Preisberichterstattung an, die von den Erzeugerorganisationen rege nachgefragt werden.

Als weitere neue Firma ist die German Export Association for Food and Agri Products e.V. (GEFA) gegründet worden. Die BVEO ist am Rande der ANUGA Gesellschafter der GEFA geworden. Seit Ende 2009 bietet die GEFA Dienstleistungen im Bereich des Exportwesens an. Die Obst- und Gemüsesäule der GEFA ist für die Sektoren frisches und verarbeitetes Obst und Gemüse in Form eines e.V. belegt worden.
Inlandswerbung für Obst

Mittels einer Radiokampagne machten die Erzeugerorganisationen mit Steinobstvermarktung - erstmals ohne CMA - Appetit auf deutsche Zwetschgen und Pflaumen. Unter dem Motto "Angemacht. Eingemacht. Pur. Deutsche Zwetschgen und Pflaumen sind immer ein Genuss" startet die breit angelegte Radiokampagne im August 2009.
Die deutsche Apfelbranche nutzte das Vakuum in der "Nach-CMA-Zeit" um eine Gemeinschaftskampagne für deutsche Äpfel in 2010 vorzubereiten. Mit vereinten Kräften wollen die Erzeugerorganisationen mit Kernobstvermarktung zukünftig die Kampagne "Äpfel aus Deutschland. Genau Dein Obst". durchführen. Nach dem Aus der CMA wird es immer wichtiger, dass sich die Vermarkter und Erzeuger aus dem Agrarbereich zusammenschließen, um kontinuierlich und langfristig in Sachen Marketing und Kommunikation zusammenzuarbeiten.

EU-Schulfruchtprogramm

Die EU-Kommission hat zu Beginn des Jahres 2009 einen Entwurf für die Durchführungsverordnung zum Schulobstprogramm in Umlauf gebracht. Der DRV und die BVEO begrüßen gemeinsam mit dem 5-am-Tag e.V., dass die parlamentarischen Gremien im Herbst 2009 doch noch zu einer positiven "Last-Minute-Entscheidung" gekommen sind. Somit konnte das Schulobstgesetz am Ende der Legislaturperiode - nach vielen schwierigen Beratungen der parlamentarischen Gremien - doch noch in Kraft gesetzt werden.

Leider ist die bisherige Umsetzung des Programms in den Bundesländern unter den Erwartungen zurück geblieben. Die Obst- und Gemüsewirtschaft erwartet, dass möglichst alle Bundesländer das Programm zügig anwenden, damit möglichst viele Schulkinder Zugang zu frischem Obst und Gemüse erhalten. Bürokratische Hemmnisse und der Aufbau von administrativen Hürden bei der praktischen Umsetzung an den Schulen dürfen kein Hindernis für die Einführung des Schulfruchtprogramms werden.

Brüsseler-Pestizidpaket

Der DRV und die BVEO kritisierten, dass die Auswirkungen der Abkehr von dem bisher risikobasierten Ansatz bei der Wirkstoffprüfung zuvor nicht wissenschaftlich ermittelt worden sind. Die organisierten Vermarkter befürchten deshalb, dass viele Nahrungsmittel zukünftig aufgrund von fehlenden Pflanzenschutzmitteln nur mit Schwierigkeiten in der bisherigen Qualität in der EU angebaut werden können und daher zunehmend aus Drittstaaten ohne vergleichbare Regelungen eingeführt werden müssen. Produkte aus Drittstaaten sind von diesen neuen Regelungen nicht betroffen.

Die vorgesehene Pflanzenschutzmittel-Zulassung jeweils für mehrere EU-Staaten findet dagegen Zustimmung beim DRV und der BVEO. "Die zonale Zulassung dient dem freien Warenverkehr und trägt dazu bei, Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Gemeinschaft abzubauen. DRV und BVEO begrüßen ebenfalls das Ziel, die Risiken bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Allerdings ist hierbei der Wunsch nach einer europaweiten Harmonisierung dem Subsidiaritätsprinzip unterlegen und so werden weiterhin 27 Mitgliedstaaten ihre risikobasierten Reduktionsziele nun selbst festlege.

 
Neben der DRV-Abteilung Obst-, Gemüse und Gartenbauwirtschaft gibt es seit 1970 die Bundesvereinigung Erzeugerorganisationen für Obst und Gemüse BVEO, die die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder vertritt. Ihr sind heute die Erzeugerorganisationen nach neuer und nach alter Marktordnung angeschlossen. BVEO

Weitere Infos:
Dipl. Ing. agr. Karl Schmitz
(    0228 106-343
FAX: 0228 213919
E-Mail:     und

Dr. Markus Nöthen
Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen
Obst und Gemüse e. V.
(    0228/106-325
FAX: 0228/213919
e-Mail:
Internet: www.bveo.de