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    WARENGENOSSENSCHAFTEN

    Die umsatzstärkste Sparte

    Die Warenwirtschaft stellt mit 39,5 Mrd. Euro die umsatzstärkste Sparte innerhalb der Raiffeisen-Organisation dar. Aufgabenfelder und Dienstleistungen umfassen das landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgeschäft mit den Bereichen Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten / Nachwachsende Rohstoffe und Kartoffeln.

Diversifikationssparten mit steigender Bedeutung

Die Genossenschaften betreiben zahlreiche Tankstellen, Baustoff-Fachhandlungen und Raiffeisen-Märkte. Diese sogenannten Diversifikationsparten weisen eine steigende Bedeutung unter den Geschäftsfeldern der Genossenschaften auf und machen bei einigen Unternehmen bereits 50 % des Umsatzes aus.

Zentralgenossenschaften

Als Zentralgenossenschaften betätigen sich fünf Unternehmen. Die Deutsche Raiffeisen-Warenzentrale GmbH (DRWZ) hat eine Bündelungsfunktion inne in den Segmenten Baustoffe und Einzelhandelsmärkte und hilft bei der Fahrzeugbeschaffung.

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Bereiche der Warenwirtschaft

Im Folgenden finden Sie Informationen zu den verschiedenen Bereichen der Warenwirtschaft: Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten/Nachwachsende Rohstoffe, Kartoffeln sowie Energieprodukte.


 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
Getreide
Die Getreideernte in der Europäischen Union mit 28 Mitgliedstaaten betrug im Jahr 2013 rund 301 Mio. t. Damit wurde die zweithöchste jemals erzielte Ernte eingefahren. Lediglich in 2008 wurde mit rund 311 Mio. t eine noch größere Ernte erzielt. In der EU ist Deutschland nach Frankreich die zweitwichtigste Erzeugungsregion. Hier wurden auf zirka 6,5 Mio. ha Anbaufläche im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2011 rund 45 Mio. t Getreide produziert. In den Jahren 2012 und 2013 wurde eine Ernte von 45 bzw. 47 Mio. t eingebracht. Ursächlich für den Anstieg der Erntemenge in diesem Getreidewirtschaftsjahr waren die im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegenen Durchschnittserträge.

Bei einer längerfristigen Betrachtung ist allerdings ein Rückgang der Anbauflächen festzustellen. Ursache dafür ist zum einen der Verlust von wertvollen Ackerflächen durch Infrastrukturmaßnahmen sowie der deutlich zugenommene Anbau von Mais für Biogasanlagen. Allerdings steigt dieser Flächenanteil derzeit nicht mehr, sondern sinkt teilweise wieder. Wie sich die Erntemenge weiter entwickeln wird, hängt nicht nur von der weiteren Ausgestaltung der rechtlichen Vorgaben für die Bioenergie ab, sondern auch von der nationalen Umsetzung der europäischen Agrarpolitik. Gerade durch die verpflichtende Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen können negative Auswirkungen auf die Versorgungsbilanzen nicht ausgeschlossen werden.Während im Durchschnitt der Jahre etwa 15 Mio. t der Ernte auf den landwirtschaftlichen Betrieben als Futtermittel verbleiben, summieren sich die Getreideverkäufe der Landwirtschaft auf etwa 30 bis 35 Mio. t.

Von diesem Marktvolumen erfassen die Genossenschaften etwa 50 %. Die Raiffeisen-Genossenschaften sind somit die bedeutendsten Vorlieferanten für die Verarbeitungsbetriebe aus dem Mischfutter- und Mühlenbereich sowie weiterer industrieller Verwendungsrichtungen. Bei überschüssigen Getreideversorgungsbilanzen in Deutschland tragen Genossenschaften darüber hinaus durch ihre Exportaktivitäten maßgeblich zur Entlastung des Binnenmarktes bei. Gerade in diesem Getreidewirtschaftsjahr ist deutsches Getreide auf dem Weltmarkt überdurchschnittlich stark gefragt. Durch die Etablierung aufwändiger Qualitätssicherungsmaßnahmen sorgen die Genossenschaften für eine den steigenden Ansprüchen der Verbraucher und Verarbeitungsbetriebe gerecht werdende Qualität des Getreides beim Transport sowie der Reinigungs- und Lagerprozesse.

 



Saatgut
Hochwertiges Saatgut ist die Voraussetzung für erfolgreichen Pflanzenbau und züchterischen Fortschritt. Deshalb stellen die Genossenschaften eine umfangreiche Saatgut-Palette bester standortangepasster Sorten bereit und setzen sich gemeinsam mit dem DRV für eine Steigerung des Absatzes von zertifiziertem Saatgut ein. Die Vertragsbeziehungen der Genossenschaften mit Züchtern und Vermehrern sind Voraussetzung für eine gezielte und bedarfsgerechte Saatgutproduktion. Im Hinblick auf die Verwendung von Nachbausaatgut fordert der DRV eine faire Vergütungsregelung, die dem Schutz des geistigen Eigentums Rechnung trägt und gleichzeitig den Rechtsfrieden zwischen Landwirt und Genossenschaft nicht belastet.Obwohl gentechnisch verändertes Saatgut in Deutschland nicht kommerziell genutzt werden darf, kommt es aufgrund der weltweit zunehmenden Bedeutung der Grünen Gentechnik immer häufiger zu unvermeidbaren Spureneinträgen gentechnisch veränderter Organismen in konventionelles Saatgut. Dies birgt für Züchter, Handel und Landwirte massive Rechtsunsicherheit und die Gefahr wirtschaftlicher Schäden infolge der Nichtverkehrsfähigkeit von Saatgut.Der DRV setzt sich auf Brüsseler Ebene für eine praktikable Lösung der Spuren-Problematik in Saatgut nach österreichischem Vorbild ein und fordert darüber hinaus die Einführung eines generellen Kennzeichnungs-Schwellenwertes, der Voraussetzung für die Koexistenz von konventionellem und ökologischen Pflanzenbau sowie dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist.

 



Pflanzenschutz
In Deutschland werden jährlich Pflanzenschutzmittel im Wert von etwa 1 Mrd. € (netto) abgesetzt. Hersteller sind multinational tätige Unternehmen wie Syngenta, Bayer, BASF, Dow, Monsanto und DuPont sowie einige vorwiegend national tätige Unternehmen. Auf Herstellerseite herrscht eine oligopolistische Struktur: Auf die drei führenden Anbieter entfallen mehr als 60% des Umsatzes. 11 Großhandelsunternehmen übernehmen die Zwischenlagerung und Logistik bis hin zu den etwa 2.500 Verkaufsstellen. Beim Handel mit Pflanzenschutzmitteln sind zahlreiche gesetzliche Vorschriften zu beachten, die die Lagerung, den Transport und die Abgabe betreffen.Der DRV hat eine Betriebsanweisung für die Lagerung von Gefahrstoffen erstellt, an denen die Beschäftigten im Lager unterwiesen werden können. Abgabe und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln werden durch das Pflanzenschutz-, Chemikalien- und Arbeitsschutzgesetz sowie zugehörige Rechtsverordnungen geregelt.Der DRV hat sich intensiv an der Erarbeitung der Internet-Homepage wasser-und-pflanzenschutz.de beteiligt, auf der dem Anwender die Rechtslage verständlich erläutert wird und dem Pflanzenschutzmittelhändler Hilfestellungen für ein zielgerichtetes Beratungsgespräch gegeben werden. Am 14. Februar 2012 ist ein neues Pflanzenschutzgesetz in Kraft getreten. Damit wird das 2009 verabschiedete Europäische Pflanzenschutzpaket in nationales Recht überführt. Es schafft mehr Rechtssicherheit und europäische Harmonisierung. Leere Kanister werden im Rahmen des Rücknahmesystems PAMIRA (Packmittel Rücknahme Agro) kontrolliert zurückgenommen und einer umweltgerechten Verwertung zugeführt.

 



Düngemittel
In Deutschland werden jährlich etwa 13 Mio. t. Handelsdüngemittel (einschließlich 5 Mio. t. Düngekalk) ausgebracht. Unterschieden werden feste und flüssige Düngemittel (z.B. AHL), Ein- und Mehrnährstoffdünger (z.B. NPK) und Spuren-Nährstoffdüngemittel. Während die Herstellung kontinuierlich verläuft, fällt der Verbrauch überwiegend in die trockenen Perioden der Monate März bis Juni. Dies macht eine ausgefeilte Lager- und Transportlogistik unumgänglich, zumal Düngemittel zu den weniger transportwürdigen Gütern gehören. Der DRV hat eine Betriebsanweisung für die Lagerung von Düngemitteln erstellt, an denen die Beschäftigten im Lager unterwiesen werden können.Der Verbrauch an stickstoffhaltigen Düngemitteln orientiert sich weitgehend am Bedarf der Pflanzen. Zur Optimierung der bedarfsgerechten Ausbringung sind verschiedene Techniken entwickelt worden, die auf Farbsensorik bzw. auf Ortungssystemen basieren. Die Versorgung mit Phosphat und Kalidüngern liegt dagegen in Deutschland seit einigen Jahren im Argen: Mit einem Nährstoffverhältnis N:P:K von 1 : 0,2 : 0,3 liegt Deutschland im europäischen Vergleich am unteren Ende. Die Abgabevorschriften für Handelsdünger sind in jüngster Vergangenheit erheblich verschärft worden: Zahlreiche Düngemittel dürfen nicht mehr an Privatpersonen abgegeben werden, weitere dürfen nur noch nach Identitätsfeststellung verkauft werden.

 



Agrartechnik
Der deutsche Markt für Landmaschinen hat ein Volumen von etwa 8,1 Mrd. € (netto). Davon entfallen 56 % auf Neumaschinen, 9 % auf Gebrauchtmaschinen, 21 % auf Ersatzteile und 8 % auf Serviceleistungen. Rund 300.000 Landwirte und 3.000 Lohnunternehmen werden von 5.700 Werkstätten betreut. Hergestellt werden die Maschinen und Ersatzteile von etwa 200 meist mittelständischen Unternehmen.Die im DRV zusammengeschlossenen genossenschaftlichen Unternehmen betreiben 450 Landmaschinen-Werkstätten mit 5.200 Beschäftigten und einem Umsatzvolumen von etwa 2,5 Mrd. €, haben also einen Marktanteil von etwa 30 %.Seit 1997 forciert der DRV im Rahmen des Arbeitskreises EDI_agrartec die Entwicklung gemeinsamer, für die gesamte Branche nutzbarer Standards für den elektronischen Datenaustausch und der Optimierung sämtlicher Prozesse, die zwischen Landmaschinenherstellern und -händlern anfallen. Dazu gehören beispielsweise die Bereitstellung von Stammdaten, die papierlose Bestellung von Ersatzteilen und ihre Rechnungslegung sowie die rasche, kundenfreundliche Abwicklung von Gewährleistungsfällen.Eingebunden sind etwa 30 Unternehmen des Landmaschinen-Handels und der Landtechnik-Industrie, Softwarehäuser sowie die Verbände VDMA, DRV und H.A.G.

 


 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
Kartoffeln
Wetterkapriolen bestimmen Kartoffelmarkt 2013

Die Gesamtanbaufläche von Kartoffeln betrug laut Statistischem Bundesamt in 2013 etwa 242.800 ha. Trotz des guten Preisniveaus in 2012/2013 wurde die Fläche somit nicht nennenswert ausgedehnt. Ein Vergleich zum Fünf-Jahresdurchschnitt von 2009 bis 2013, der 251.600 ha beträgt, zeigt, dass der Anbau um rund 3,5 Prozent reduziert wurde. Der Rückgang der Anbaufläche schritt im Stärkekartoffelbereich erwartungsgemäß weiter vor. Mit 58.000 ha betrug diese Einschränkung 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung wird aufgrund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit von Stärkekartoffeln gegenüber anderer Verwendungen auch noch für die kommenden Jahre erwartet.

Die durch das BMEL festgestellte Erntemenge lag mit 9,7 Mio. Tonnen in 2013 rund 10 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Grund dieser kleinen Kartoffelernte war der außergewöhnliche Witterungsverlauf in 2013. Nach einem kalt nassen Frühjahr folgte Starkregen und erschwerte die Aufwuchsbedingungen. Mancherorts führten Überschwemmungen auf vielen Flächen zu Totalverlusten. Hitze und Trockenheit im Sommer wirkten sich auf die Kartoffel zudem massiv ertragsmindernd aus. Die Erträge mit 398 dt je Hektar lagen dadurch um 11 Prozent weit unter dem Vorjahreswert. Insbesondere die Vermarktung von Frühkartoffeln wurde durch die beschriebenen Wetterkapriolen stark beeinflusst. Die Erzeugerpreise für Speisefrühkartoffeln waren aufgrund des knappen Angebotes teilweise doppelt so hoch wie vor im Vorjahr. Der Veredlungssektor war ebenfalls von dem Witterungsverlauf stark betroffen. Spätere Ernte und schlechte Erträge ließen auch hier die Preise hochschnellen, Lieferungen von Vertragsware blieben teilweise aus.

Die Ausfuhr von frischen Kartoffeln aller Verwendungsrichtungen betrug 2,3 Mio. Tonnen und hat somit im Vergleich zum Vorjahr über 50 Prozent zugenommen. Beigetragen dazu haben die geringen Erntemengen im Beneluxraum und Großbritannien, die durch Importe aus Deutschland ergänzt wurden.

 



Ölsaaten
Seit der Jahrtausendwende sind die weltweite Produktion und die Nachfrage nach Ölsaaten, pflanzlichen Ölen und Eiweißfuttermitteln deutlich gestiegen. In 2013/2014 wird mit einer Rekordernte von erstmalig über 500 Mio. t gerechnet. Damit wird die Vorjahresernte um gut 6 % übertroffen. Dies spiegelt sich auch in der Preisentwicklung wider. In der EU werden in erster Linie Raps und Sonnenblumen angebaut. Der Sojaanbau ist nur von untergeordneter Bedeutung. 2013 wurden in der EU insgesamt gut 29 Mio. t (Vj. 26,8 Mio. t) Ölsaaten (inkl. Soja) geerntet. Davon entfallen gut zwei Drittel auf den Raps. In Deutschland konnte trotz eines strengen und langanhaltenden Winters mit 5,8 Mio. t (Vj. 4,8 Mio. t) eine deutlich über dem Durschnitt liegende Rapsernte eingefahren werden. Dieses Ergebnis ist insbesondere durch eine Ausweitung der Anbaufläche erzielt worden. Während noch vor einigen Jahren rund zwei Drittel der deutschen Erntemenge im Kraftstoffbereich Verwendung fanden und nur ein Drittel im Lebensmittelbereich, hat sich das Verhältnis mittlerweile fast gedreht. Ursache dafür ist insbesondere eine Zunahme an Importen und einer doppelten Anrechnung von Biodiesel aus Altspeisefetten. Die nachhaltige Produktion von Biodiesel bzw. allen eingesetzten Biokraftstoffen wird seit Anfang 2011 in Deutschland durch eine gesetzlich vorgeschriebene Nachhaltigkeitszertifizierung entlang der gesamten Herstellungskette garantiert.

 



Energieprodukte
In den klassischen Agrarsparten sind den Expansionsmöglichkeiten genossenschaftlicher Unternehmen Grenzen gesetzt. Aufgrund der EU-Reformbeschlüsse und der strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft gewinnen die Diversifikationssparten dagegen als Wachstumsmärkte zunehmend an Bedeutung für die Raiffeisen-Genossenschaften. War das Sortiment an ländlichen Waren ursprünglich gezielt auf Landwirte zugeschnitten, wurde es Schritt für Schritt für neue Kundengruppen geöffnet. Dies zeigt sich auch in den Umsatzstrukturen: Während der Anteil am gesamten genossenschaftlichen Warengeschäft für die Produktgruppen Mineralöle und Brennstoffe 1980 im Durchschnitt noch bei 24% lag, werden inzwischen 45%, z.T. auch sogar über 50% des Umsatzes in diesem Segment erzielt. Ein wichtiges Standbein vieler Warengenossenschaften ist der Handel mit flüssigen und festen Brennstoffen. Allerdings wird die Produktvielfalt in diesem Segment in vielen Genossenschaften laufend ausgebaut, so dass dort oftmals auch Strom und Gas, teilweise auch aus erneuerbaren und regionalen Energiequellen, angeboten werden. Den Mitarbeitern in den Genossenschaften wird durch die starken – insbesondere preis- und jahreszeitinduzierten – Nachfrageschwankungen ein erhebliches Maß an Flexibilität abverlangt. Genossenschaftliche Unternehmen dürfen in der Summe die größten Heizölhändler in Deutschland darstellen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit mit fossilen Brennstoffen im ländlichen Raum. Die Raiffeisen-Gruppe steht mit 520 Raiffeisen-Tankstellen auf Platz 7 der bundesweiten Anbieterskala. Hinzu kommen im genossenschaftlichen Verbund 107 Straßentankstellen sowie zwei Autobahntankstellen der BayWa und 131 Tankstellen der BayWa-Tochter Tessol, deren Tankstellen unter AVIA firmieren. Insgesamt gibt es in Deutschland knapp 14.300 Straßen- und 350 Autobahntankstellen.