• Einer für alle

    WARENGENOSSENSCHAFTEN

    Die umsatzstärkste Sparte

    Die Warenwirtschaft stellt mit 36,1 Mrd. Euro die umsatzstärkste Sparte innerhalb der Raiffeisen-Organisation dar. Aufgabenfelder und Dienstleistungen umfassen das landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgeschäft mit den Bereichen Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten / Nachwachsende Rohstoffe und Kartoffeln.

Diversifikationssparten mit steigender Bedeutung

Die Genossenschaften betreiben zahlreiche Tankstellen, Baustoff-Fachhandlungen und Raiffeisen-Märkte. Diese sogenannten Diversifikationsparten weisen eine steigende Bedeutung unter den Geschäftsfeldern der Genossenschaften auf und machen bei einigen Unternehmen bereits 50 % des Umsatzes aus.

Zentralgenossenschaften

Als Zentralgenossenschaften betätigen sich fünf Unternehmen. Die Deutsche Raiffeisen-Warenzentrale GmbH (DRWZ) hat eine Bündelungsfunktion inne in den Segmenten Baustoffe und Einzelhandelsmärkte und hilft bei der Fahrzeugbeschaffung.

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Bereiche der Warenwirtschaft

Im Folgenden finden Sie Informationen zu den verschiedenen Bereichen der Warenwirtschaft: Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten/Nachwachsende Rohstoffe, Kartoffeln sowie Energieprodukte.

Getreide
Weltweit wurde 2015/2016 mit knapp 2 Mrd. t (ohne Reis) zum dritten Mal in Folge eine sehr gute Getreideernte eingefahren. In der EU-28 wurde mit
308 Mio. t weniger Getreide geerntet als im Vorjahr (329 Mio. t). Allerdings liegt dieses Ergebnis noch deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt von rd. 300 Mio. t. Die Mengen überraschten den Markt. Insbesondere aufgrund des trockenen, extrem heißen Sommers wurde zunächst von einer Ernte teilweise unter 300 Mio. t ausgegangen. Im Ergebnis haben Gerste und Weizen überzeugt, lediglich der Körnermais musste aufgrund der Trockenheit insbesondere in Frankreich und Deutschland deutliche Verluste hinnehmen. In Deutschland wurde mit 48,8 Mio. t eine in der Summe ebenfalls überraschend gute Ernte eingefahren.Die großen Mengen hatten massive Auswirkungen auf die Notierungen an den Warenterminbörsen. So fielen sie beim Weizen während der Ernte und unmittelbar danach auf ein Fünfjahrestief, zogen wieder etwas an, gaben erneut nach und verharrten auf einem äußerst niedrigen Niveau. Für 2016 gehen Experten erneut von einer insgesamt guten Getreideernte aus. Abzuwarten bleibt, welche Auswirkungen die historisch niedrigen Aussaatflächen für Sommerweizen in den USA und die Witterung in den kommenden Monaten entfalten werden. Sollte es dadurch zu Einbußen kommen, muss berücksichtigt werden, dass der Markt insgesamt sehr gut versorgt ist. In Europa wird mit rd. 308 Mio. t erneut eine gute Ernte erwartet. Um den Markt spürbar zu entlasten, kommt dem Export zentrale Bedeutung zu. Dieser läuft allerdings deutlich schwächer als im Vorjahr. Vor diesem Hintergrund hat sich der DRV erfolgreich dafür eingesetzt, dass Deutschland ein Marktzugangsverfahren für Gerste und Weizen nach China eröffnet. Darüber hinaus hat der Verband sein Angebot an Marktinformationen weiter optimiert.

 



Saatgut
Die EU-Kommission hat den umstrittenen Vorschlag zur Novellierung des europäischen Saatgutrechts endgültig zurückgezogen. Der DRV hatte kritisiert,dass das erklärte Ziel, das Saatgutrecht zu vereinfachen und zu harmonisieren, verfehlt wurde. Darüber hinaus hätten nach Auffassung des DRV die vorgesehenen Ausnahmeregelungen von der verpflichtenden Sortenzulassung die Grundsätze des Saatgutrechts außer Kraft gesetzt. Mit dem sogenannten „Vogel-Urteil“ hat der Europäische Gerichtshof 2015 eine wichtige Entscheidung zur Nachbauregelung getroffen. Er stellt fest, dass nachbauende Landwirte grundsätzlich zur Zahlung der Nachbaugebühr bis zum 30. Juni des betreffenden Wirtschaftsjahres verpflichtet sind, ohne dass es hierzu einer Aufforderung bedarf. An der unbefriedigenden Rechtslage, dass der nachbauende Landwirt nur dann zu Auskünften verpflichtet ist, wenn der Züchter über entsprechende Anhaltspunkte verfügt, ändert jedoch auch das „Vogel-Urteil“ nichts.
Gesetzliche Aufzeichnungspflichten 2015 ist der Druck auf die Aufbereiter gewachsen. Die Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) hat beim Landgericht Detmold eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es einem Aufbereiter untersagt, Saatgut aufzubereiten, ohne den Sortennamen aufzuzeichnen. Nach Auffassung des DRV genügt hingegen die Auszeichnung „Sorte unbekannt“ den Pflichten, sollte der Landwirte die Angabe verweigern. Da eine einstweilige Verfügung keine abschließende rechtliche Klärung beinhaltet, bleibt nunmehr das Hauptsacheverfahren abzuwarten.

 



Pflanzenschutz
2015 wurden weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt als im Vorjahr. Der Umsatz ging im Handel um rd. 5 Prozent zurück. Bei einigen Produkten wurden Lagerbestände aufgebaut. Im Rahmen der PAMIRA Sammelaktion wurden insgesamt 2.900 t gespülte, restentleerte Pflanzenschutz- und Flüssigdünger-Verpackungen angenommen und verwertet, entsprechend dem Verbrauchsrückgang etwas weniger als im Vorjahr. Wichtiges Thema im Handel war das Ende des Übergangszeitraums zur Einführung der Sachkunderegelung. Trotz anderslautender Beteuerungen werden die nationalen Vorgaben der Pflanzenschutz- Sachkundeverordnung in jedem Bundesland unterschiedlich umgesetzt: Fortbildungszeiträume, Abgrenzung der Beratung, Anforderungen an Fortbildungsveranstaltungen etc.
Das mediale Interesse gilt seit Anfang 2015 einer routinemäßigen Prüfung im Rahmen der weiteren Genehmigung eines seit Langem eingesetzten Herbizidwirkstoffs. Hier wird versucht, den detailliert
geregelten, auf wissenschaftlich fundierten Fakten basierten Zulassungsprozess politisch und medial auszuhebeln. Der DRV unterstützt die unabhängigen Bewertungs- und Zulassungsbehörden.

 



Düngemittel
Im Wirtschaftsjahr 2014/15 stieg der Absatz von Mineraldüngern (einschließlich Düngekalk) um 1,1 Prozent und erreichte 5,34 Mio. t. Während sich – lt. Statistischem Bundesamt – der Aufwand je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bei Kalkdüngern von 166 auf 160 kg verringerte, wurden mehr Phosphat- (19 nach 17 kg) und Stickstoffdünger (108 nach 100 kg) ausgebracht. Mit 27 kg blieb der Aufwand bei Kalidüngernnahezu unverändert. Analog zu den höheren Nährstoffmengen stiegen die Ausgaben der Landwirtschaft für Handelsdünger um 9 Prozent. Für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 werden deutlich geringere Absatzmengen erwartet. Im Vorfeld der neuen Düngeverordnung werden Mineraldünger zunehmend durch gehandelte und über größere Entfernungen transportierte Wirtschaftsdünger ersetzt. Mittelfristig ist deshalb mit vermindertem, jedoch deutlich gezielterem Einsatz von Mineraldüngern zu rechnen. Die Warengenossenschaften bieten ihren Landwirten vielerorts passgenaue Düngermischungen an. Die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft ermöglicht zudem die exakte Ausbringung entsprechend den Ergebnissen aus Bodenuntersuchungen. Der DRV unterstützt seine Mitglieder u. a. durch die Herausgabe von Broschüren und Übersichten zur regelkonformen Lagerung und Abgabe von Düngemitteln. Gemeinsam mit den regionalen Genossenschafts-Akademien organisiert der DRV entsprechende Seminare.

 



Agrartechnik
Mit der angespannten wirtschaftlichen Situation in der Landwirtschaft wurde auch die Lage in der Landtechnik schwieriger: Viele Landwirte beschränken ihre Investitionen auf ein Minimum. Die Werkstattauslastungen sind davon allerdings kaum betroffen. Bei zunehmend komplexen Arbeitsgeräten führt kein Weg am qualifizierten Fachpersonal in den Raiffeisen-Werkstätten vorbei.
Allerdings steigen die Anforderungen rasant. Der Techniker muss nicht nur mobil, zeitlich flexibel und motiviert sein, er braucht auch immer mehr Wissen über pflanzenbauliche Besonderheiten und IT-Prozesse. Die Agrartechnik ist schließlich die Speerspitze der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Zwischenzeitlich werden nahezu alle Maschinen mit Sensoren ausgerüstet, die Daten über die Maschine selbst, den Zustand der Flächen und über Erntemengen erfassen. Einfache Anwendungen wie Lenkautomatik und Mineraldüngerdosierung sind zwischenzeitlich Standard. Das weckt Begehrlichkeiten nach komplexeren Systemen. Noch nicht gelöst sind die Probleme aufgrund der eingeschränkten Kompatibilität verschiedener Systeme und die Furcht vor Datenmissbrauch.

 

Kartoffeln
Kartoffeln wuchsen 2015 unter regional unterschiedlichen Witterungsbedingungen heran. Im Süden und Südosten Deutschlands gab es im Frühjahr zu viel Regen, dann folgten Hitze und Trockenheit. Im Norden dagegen blieben die hohen Temperaturen aus. Je nach Beregnungsmöglichkeit fielen die Erträge regional dementsprechend sehr unterschiedlich aus. Die Kartoffelernte konnte insgesamt nicht an die Rekordergebnisse 2014 anknüpfen. Deutschlandweit betrug diese 10,4 Mio. t und lag mit rd. 11 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres. Das langjährige Mittel (2009 bis 2014) wurde um knapp 6 Prozent unterschritten. Neben Wetterkapriolen war ursächlich für die geringere Ernte auch die Entscheidung vieler Erzeuger, die Anbauflächen einzuschränken. Kartoffeln wurden auf einer Fläche von 236.700 ha und somit 3,3 Prozent unter der Vorjahresfläche angebaut bzw. 5,5 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Aufgrund von Wassermangel war mit 438,1 dt/ha auch der Ertrag geringer als 2014, entspricht aber dem mehrjährigen Mittel.
Der DRV hat sich 2015 für eine praktikable Umsetzung der Pflanzkartoffelverordnung eingesetzt. Leider ist es nicht gelungen, EU-einheitliche Normen zu etablieren und damit im Sinne von Transparenz und Klarheit für alle Marktbeteiligten ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

 



Ölsaaten
Weltweit wird 2015/2016 bei Ölsaaten mit einer Erntemenge von rd. 527 Mio. t gerechnet. Damit werden zum dritten Mal in Folge mehr als 500 Mio. t eingefahren. Allerdings liegt das Ergebnis erstmals seit zwei Jahren unter dem Vorjahresniveau von 537 Mio. t. Der Erntemenge steht ein Verbrauch von 526 Mio. t gegenüber, sodass sich die Endbestände erneut positiv entwickeln dürften. Der weitaus überwiegende Anteil der Ernte entfällt wie in den Vorjahren auf Sojabohnen. Hier wird erneut mit einem Rekordergebnis auf Vorjahresniveau in Höhe von 320 Mio. t gerechnet. In der EU sind 2015 insgesamt knapp 31 Mio. t (Vj. 34,8 Mio. t) Ölsaaten geerntet worden, davon 21,5 Mio. t Raps. In Deutschland wurde mit 5,0 Mio. t eine durchschnittliche Ernte eingebracht. Die Entwicklungen auf dem Rapsmarkt werden weiterhin von den Rohöl- und Sojamärkten bestimmt. Hier haben die niedrigen Preise beim Rohöl und die wiederum hohen Erntemengen bei Soja die Notierungen insgesamt erneut unter Druck gesetzt. Allerdings schnitten sie in der Summe besser ab als im Jahr 2014/2015. Große Bedeutung für die Zukunft
des Rapsanbaus hat darüber hinaus die Frage, wie die europäische Biokraftstoffpolitik fortgeschrieben wird bzw. ob neue Absatzmärkte für Öle gefunden
werden. Hier zeichnen sich insbesondere aus Klimaschutzgesichtspunkten Veränderungen zulasten des europäischen Rapsanbaus ab. Deshalb setzt sich der DRV weiterhin gemeinsam mit anderen Branchenverbänden dafür ein, dass ein erfolgreicher Rapsanbau möglich bleibt.

 


Energieprodukte
Der weltweite Energiebedarf steigt trotz der gegenwärtigen Schwäche der Weltwirtschaft kontinuierlich.
Allerdings war der Markt durch eine Fortsetzung des bereits im zweiten Halbjahr 2014 einsetzenden Preisverfalls bei Rohöl auf ein teilweise historisch niedriges Niveau gekennzeichnet. Hauptursachen waren insbesondere steigende Fördermengen in den OPEC-Staaten und die Aufhebung der Handelssanktionen gegenüber dem Iran.
In diesem Marktumfeld konnte sich der Inlandsabsatz von Mineralölprodukten mit 102,3 Mio. t auf Vorjahresniveau behaupten.
Der für den genossenschaftlichen Energiehandel sehr wichtige Absatz an leichtem Heizöl verringerte sich 2015 um rd. 3,7 Prozent auf 16,2 Mio. t. Damit setzte sich der drastische Einbruch nicht fort.