• Einer für alle

    WARENGENOSSENSCHAFTEN

    Die umsatzstärkste Sparte

    Die Warenwirtschaft stellt mit 35,3 Mrd. Euro die umsatzstärkste Sparte innerhalb der Raiffeisen-Organisation dar. Aufgabenfelder und Dienstleistungen umfassen das landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgeschäft mit den Bereichen Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten / Nachwachsende Rohstoffe und Kartoffeln.

Diversifikationssparten mit steigender Bedeutung

Die Genossenschaften betreiben zahlreiche Tankstellen, Baustoff-Fachhandlungen und Raiffeisen-Märkte. Diese sogenannten Diversifikationsparten weisen eine steigende Bedeutung unter den Geschäftsfeldern der Genossenschaften auf und machen bei einigen Unternehmen bereits 50 % des Umsatzes aus.

Zentralgenossenschaften

Als Zentralgenossenschaften betätigen sich fünf Unternehmen.

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Bereiche der Warenwirtschaft

Im Folgenden finden Sie Informationen zu den verschiedenen Bereichen der Warenwirtschaft: Getreide, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel, Agrartechnik, Ölsaaten/Nachwachsende Rohstoffe, Kartoffeln sowie Energieprodukte.

Getreide

Weltweit wurde 2016/2017 mit 2,1 Mrd. t (ohne Reis) zum vierten Mal in Folge eine Rekordernte eingefahren. In der EU-28 wurde mit 294 Mio. t ein insgesamt enttäuschendes Ergebnis erzielt, das spürbar unter dem langjährigen Mittel von rd. 300 Mio. t liegt. U.a. haben massive Nieder-schläge in Frankreich zu deutlichen Einbußen geführt. Dort lag die Weizenernte um rd. 25 %, die Gerstenernte um 15 % unter dem Vorjahres-ergebnis. In Deutschland wurde mit 46,4 Mio. t ebenfalls eine unterdurch-schnittliche Ernte eingefahren. Ursache waren teilweise sintflutartige Niederschläge in West- und Süddeutschland. Aber auch im Norden und Nordosten konnten die Ergebnisse beim Getreide oftmals nicht überzeugen.
 
Die Bestände litten in vielen Regionen unter fehlendem Niederschlag. Die Qualitäten waren allerdings bei bundesweiter Betrachtung befriedigend bis gut, wiesen aber ein Nord-Süd-Gefälle aus. Die enttäuschende Ernte in Mitteleuropa hinterließ allerdings keine Spuren an den Warenterminbörsen. Grund dafür war die gute Versorgung an den Märkten aufgrund der vorangegangenen Rekordergebnisse und den im vergangenen Jahr guten bis sehr guten Ergebnissen in allen anderen wichtigen Getreideanbaugebieten.
 
Insbesondere Russland erzielte bei Getreide einen neuen Rekordwert. Folglich lagen die Notierungen zumeist unter den Werten des Vorjahres. Der deutsche Getreidemarkt 2016/2017 ist gekennzeichnet durch eine weiterhin stabile Nachfrage der Mühlen und erhielt zum Jahreswechsel zusätzliche Impulse aus der Futterwirtschaft. Der Drittlandexport verlief schwächer und wird das Niveau des Vorjahres wohl nicht erreichen.

Getreide: Aktuelle Meldungen

 
Saatgut

Im sogenannten „Vogel-Urteil“ hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2015 festgestellt, dass der Nachbau eigen erzeugten Ernteguts nur rechtmäßig ist, wenn der Landwirt die dafür zu entrichtende angemessene Entschädigung (Nachbaugebühr) zahlt. Das hat spätestens bis zum auf die Wiederaussaat folgenden 30. Juni an den Sortenschutzinhaber zu erfolgen. Für die Landwirte lief Ende März 2016 eine letzte Frist für eine rückwirkende Selbstauskunft aus.
 
Für Diskussionsstoff sorgten die Beratungen um die nationale Umsetzung der europäischen Freisetzungsrichtlinie für GVO-Pflanzen. Der DRV hatte wiederholt den zu erwartenden Flickenteppich aus regionalen Anbaugenehmigungen und –verboten für gentechnisch veränderte Pflanzen kritisiert. Er fürchtet um die Rechtssicherheit im Saatguthandel, sofern nicht gleichzeitig eine praxistaugliche technische Lösung für den Umgang mit GVO-Spuren eingeführt wird.
 
Die wechselhaften Witterungsverhältnisse während der Getreideernte 2016 und die damit verbundenen qualitativen Beeinträchtigungen haben die Saatguterzeugung – insbesondere bei regionalen Sorten – erheblich erschwert. Zudem fehlen hinreichende Anreize für eine frühzeitige Sortenwahl bei den landwirtschaftlichen Kunden.

Saatgut: Aktuelle Meldungen

 
Pflanzenschutz

2016 war ein Jahr der Gegensätze: Während der Norden und Osten Deutschlands unter extremer Trockenheit zu leiden hatten, sorgten fortwährende Niederschläge im Südwesten für einen extrem hohen Infektionsdruck bei Pilzkrankheiten. Davon waren insbesondere Weintrauben und Sonderkulturen betroffen. Für den Handel mit Pflanzenschutzmitteln führte das erneut zu rückläufigen Umsätzen im Norden, während im Süden vor allem Fungizide nachgefragt waren.
 
Auf politischer Ebene und in den Medien eskalierte die Diskussion um den herbiziden Wirkstoff Glyphosat: Während europaweit sämtliche Zulassungsbehörden davon überzeugt sind, dass von glyphosathaltigen Mitteln – korrekt angewandt – keine Gefahr ausgeht, wurde von Protestorganisationen und grünen Politikern gebetsmühlenartig eine Studie der IARC angeführt, wonach Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei. Unter diesem Druck hat die EU-Kommission die Genehmigung nur bis Ende 2017 verlängert und wartet die Einstufung der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA ab.
 
Weil der Gesetzgeber die Lager- und Abgabevorschriften mit erheblicher Verspätung an die internationalen Vorgaben gemäß GHS anpasste, ergab sich bei den Warengenossenschaften großer Informationsbedarf, dem der DRV mit umfang reicher Aufklärung gerecht wurde. Im Rahmen der PAMIRA-Sammelaktionen, die von den Warengenossenschaften unterstützt werden, wurden 2016 fast 3.000 t gespülte und Rest entleerte Pflanzenschutz- und Flüssigdünger-Verpackungen angenommen. Die Rücklaufquote liegt stabil bei ca. 75 %.

Pflanzenschutz: Aktuelle Meldungen

 
Düngemittel

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Wirtschaftsjahr 2015/16 4,83 Mio. t Handelsdünger (einschließlich Düngekalk) mit einem Gesamtwert von etwa 2,2 Mrd. Euro abgesetzt. Dies entspricht einem Rückgang um 9,7 % bei der Menge und um 13,3 % im Wert. Der Aufwand an Handels-Düngemitteln je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche sank 2015/2016 im Vergleich zu 2014/2015 bei Stickstoffdüngern von fast 109 kg auf gut 102 kg (-6,2 %), bei Phosphatdüngern von 18 auf 17,2 kg (-4,5 %), bei Kalidüngern von 27,4 auf 23,8 kg (-13,5 %). Der ausgebrachte Kalkdünger ging von 159,8 auf 141,2 kg (-12,0 %) zurück.
 
Mit einer Klage der EU-Kommission wegen Nichtumsetzung der Nitrat-Richtlinie in Deutschland erreichte der Streit um die Düngeverordnung einen vorläufigen Höhepunkt. Im Frühjahr 2017 wurde die Novelle schließlich beschlossen. Sie wird zum 1. Juli 2017 in Kraft treten und zu erheblichem Mehraufwand in der Landwirtschaft führen. Mittelfristig werden die Warengenossenschaften zwar weniger Mineraldünger absetzen, andererseits ergeben sich neue Funktionen beim Handel mit Wirtschaftsdüngern und in der Fachberatung. Auch die Digitalisierung der Landwirtschaft erhält zusätzlichen Schwung.
 
Der DRV hilft seinen Mitgliedsunternehmen mit passgenauen Informationen und Mustertexten durch das Dickicht aus Gesetzen, Verordnungen und Technischen Regeln zur Lagerung und Abgabe von Düngemitteln.

Düngemittel: Aktuelle Meldungen

 

Agrartechnik

Während 2015 noch 32.220 Traktoren in Deutschland zugelassen wurden, waren es im Berichtsjahr 2016 nur 28.746 (-11 %). Betrachtet man die Schlepper über 100 PS, dann beträgt der Rückgang mehr als 16 %. In den Agrartechniken der Warengenossenschaften sorgte die Investitions-zurückhaltung der Landwirte für einen deutlichen Umsatzrückgang bei neuen und gebrauchten Maschinen. Bei weitgehend unveränderter Maschinennutzung steigt gleichzeitig der Bedarf an qualifizierten Service-Dienstleistungen in den Werkstätten. Hier ergaben sich im Berichtsjahr leichte Zuwächse.  
Die Anforderungen an das Verkaufs- und Servicepersonal steigen mit zunehmender Qualifikation der Landwirte. Die Akademie Deutscher Genossenschaften bietet deshalb in Zusammenarbeit mit dem DRV spezielle Weiterbildungsprogramme für Verkäufer, Werkstatt- und Ersatzteillagerleiter an. Hinzu kommt die Digitalisierung der Landwirtschaft, die in der Regel bei den Maschinen beginnt: Spurführungssysteme und Ertragsmessung sind bei Neumaschinen zwischenzeitlich Standard.
 
Die von den Herstellern geforderte Markentrennung im Vertrieb wurde 2016 weitgehend abgeschlossen. Die Strukturen sind jedoch komplexer geworden. Ob sämtliche neu errichteten Standorte erfolgreich betrieben werden können, bleibt abzuwarten.

Agrartechnik: Aktuelle Meldungen

 
Kartoffeln

Die Basis für den Kartoffelmarkt 2016/17 stand nicht unter optimalen Bedingungen. Das kalt-nasse Frühjahr sorgte in Deutschland für weit gestreckte Auspflanzungen, sowohl der Frühkartoffel als auch der Haupternte. Insgesamt waren die Bedingungen auch im weiteren Verlauf ungünstig und hatten Auswirkungen sowohl auf die Qualitäten als auch auf die Mengen. Leichtere Standorte mit guter Wasserabführung waren im Vorteil. Die Frühkartoffelsaison 2016, die aufgrund der verzögerten Bestandsentwicklung mit Verspätung angelaufen war, brachte niedrigere Mengen als im Vorjahresvergleich.
 
Die Ernte betrug 10,2 Mio. t und lag rd. 2 % unter dem Ergebnis 2015. Das langjährige Mittel (2011 bis 2015) wurde um knapp 6 % unterschritten. Der Rückgang der Anbaufläche setzte sich fort. Jedoch ist eine Verlangsamung dieses Prozesses zu beobachten. Die Fläche war laut vorläufigem Ergebnis der Bodennutzungshaupterhebung um 0,5 % kleiner als im Vorjahr. Damit ist der niedrigste Stand der vergangenen Jahrzehnte erreicht.
 
Der DRV setzte sich u. a. auf politischer Ebene für die Re-Registrierung des Pflanzenschutzwirkstoffes Deiquat im Kartoffelbau ein. Dieser Wirkstoff spielt insbesondere bei der Krautabtötung eine wichtige Rolle. Neben den nationalen Behörden hat der DRV auch die EFSA gemeinsam mit anderen Verbänden bezüglich einer Überprüfung und Überarbeitung der Risikobewertung des Wirkstoffs angeschrieben.

Kartoffeln: Aktuelle Meldungen

 

Ölsaaten

2016/2017 wird erneut bei Ölsaaten mit einer weltweiten Rekordernte in Höhe von 563 Mio. t gerechnet. Damit werden zum vierten Mal in Folge mehr als 500 Mio. t eingefahren und das Vorjahresergebnis um gut 40 Mio. t übertroffen. Der Erntemenge steht ein Verbrauch von 550 Mio. t gegenüber, sodass die Endbestände weiter steigen. Der weitaus überwiegende Teil der Ölsaatenernte entfällt auf Sojabohnen. Hier wird erneut mit einem Allzeit-Rekord deutlich über Vorjahresniveau in Höhe von 341 Mio. t gerechnet.
 
In der EU sind 2016 knapp 31 Mio. t (Vj. 32,1 Mio. t) Ölsaaten geerntet worden, davon 20,0 Mio. t Raps (Vj. 21,5 Mio. t). Mit 4,6 Mio. t (Vj. 5,0 Mio. t) war die deutsche Rapsernte 2016 enttäuschend. Die Preisentwicklungen auf dem deutschen Markt waren längere Zeit von einer sich daraus ergebenden spürbaren Knappheit geprägt. Dies führte dazu, dass zum Jahreswechsel 2016/2017 die Notierungen auf über 400 Euro/t anstiegen und bis zum Frühjahr 2017 auf diesem Niveau verharrten. Danach fielen sie aufgrund sinkender Nachfrage der Ölmühlen spürbar.
 
Die Zukunft des Rapsanbaus in Deutschland und Europa hängt in hohem Maße von den Entwicklungen auf dem Biodieselmarkt ab. Dunkle Wolken zeichnen sich am Horizont ab, da die EU-Kommission die Beimischung von Biokraftstoffen der ersten Generation ab 2020 drastisch senken will. Der DRV setzt sich weiterhin dafür ein, dass den Landwirten attraktive Preise für Raps gezahlt werden, damit der Anbau dieser vielseitigen Kulturpflanze auch zukünftig gesichert ist.

Ölsaaten: Aktuelle Meldungen

 
Energieprodukte

Der weltweite Energiebedarf steigt trotz der weiterhin schwachen Weltkonjunktur kontinuierlich. Allerdings scheint der seit dem zweiten Halbjahr 2014 zu beobachtende Preisverfall bei Rohöl derzeit gestoppt zu sein. Die Notierungen verharrten 2016/2017 zumeist auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Gründe dafür sind u.a. eine Reduzierung der Fördermengen durch die OPEC sowie eine Verringerung der durch Fracking gewonnenen Mengen. Aufgrund der insgesamt weiterhin niedrigen Notierungen ist das Förderverfahren kaum noch rentabel.
 
Der sinkende Heizölabsatz stellt die Raiffeisen-Genossenschaften weiterhin vor große Herausforderungen. Zu weiteren Verunsicherungen am Markt hat das im Zuge des Klimaschutzplans 2050 diskutierte Verbot von fossil betriebenen Heizungsanlagen ab 2030 geführt. Dem DRV ist es gelungen, diese Zielformulierung zu verhindern. Der DRV hat durchgesetzt, dass hocheffiziente Brennwerttechnologien als Brückentechnologien anerkannt wurden.

Energieprodukte: Aktuelle Meldungen