Dr. Christian Weseloh: „Wer Landwirte wirtschaftlich stärken will, muss Genossenschaften stärken."
Berlin, 21.11.2025. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) wertet das heutige Sondergutachten der Monopolkommission als klaren Auftrag an die Politik, die Land- und Ernährungswirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken und gleichzeitig für spürbare Entlastungen zu sorgen. „Es ist gut, dass die Monopolkommission datenbasiert untersucht, wie die Situation entlang der gesamten Lebensmittelkette ist. Es wird deutlich: Die Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist hoch. Bei den Erzeugerinnen und Erzeugern sowie nachgelagerten Bereichen kommen die höheren Verbraucherpreise nicht an“, betont DRV-Geschäftsführer Dr. Christian Weseloh. Gleichzeitig stehe die Land- und Agrarwirtschaft angesichts der deutlich gestiegenen Kosten in den vergangenen Monaten und Jahren unter massivem wirtschaftlichem Druck. Weseloh: „Vor dem Hintergrund des Selbstversorgungsgrads mit Lebensmitteln in Deutschland besteht dringender Handlungsbedarf, die Unter-nehmen zu entlasten. Die Monopolkommission sieht einen entscheidenden Hebel zur Verbesserung der Wettbewerbssituation auf der Kostenseite und nennt hier unter anderem die hohe Bürokratielast“, betont DRV-Geschäftsführer Dr. Christian Weseloh.
Der DRV begrüßt die Würdigung der Genossenschaften der Monopolkommission für ihre positive Rolle in der Wertschöpfungskette. Weseloh: „Genossenschaften sorgen für stärkere Verhandlungspositionen gegenüber den weiteren Abnehmern. Davon profitieren unmittelbar die Erzeugerinnen und Erzeuger. Wer die Erzeugerebene stärken will, muss die Genossenschaften und genossenschaftlich orientierten Unternehmen stärken.“ Daher kritisiert der DRV seit Monaten vehement die geplanten Verschärfungen bei den Artikeln 148 und 168 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) durch die EU. „Diese schwächen die Position der Bündler und führen zu geringeren Erlösen für die Erzeugerinnen und Erzeuger“, macht der DRV-Geschäftsführer deutlich. Rückendeckung durch die Monopolkommission erhält der DRV bei seiner Forderung nach marktwirtschaftlicher Preisgestaltung. „Die Monopolkommission sagt deutlich, dass Eingriffe in die Preissetzungsautonomie der Unternehmen falsch sind und warnt explizit vor einem Verbot des Verkaufs unter Produktionsbedingungen. Das muss die Bundesregierung als Auftrag verstehen, entsprechende Pläne der EU zu verhindern. Marktregulierung und gesetzlich festgelegte Mindestpreise sind fatal. Dies schwächt Erzeuger und nachgelagerte Unternehmen in der Kette massiv“, so Weseloh.
Der DRV sieht daher die Stärkung der UTP-Richtlinie und des deutschen Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetzes (AgrarOLkG) sowie eine wirksame Rechtsdurchsetzung ohne Angst vor wirtschaftlichen Sanktionen als richtig und entscheidend an, um gezielt unfaire Handelspraktiken aufzudecken und zu bekämpfen. Weseloh: „Die Umsetzung der UTP-Richtlinie und des Agrar OLkG greifen nur minimalinvasiv in den Markt ein und verfolgen dabei nicht das Ziel, den Markt von oben zu steuern. Es sind die richtigen Instrumente, um den Missbrauch von Marktmacht zu unterbinden. Es muss daran gearbeitet werden, dass Hinweise gegen Regelverstöße ohne Angst vor Repressalien gegeben werden können.“
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.635 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.
Deutscher Raiffeisenverband e.V. Im Auftrag Marcus Gernsbeck Pressesprecher Mobil: +49 172 7196856 E-Mail: presse@drv.raiffeisen.de |