Zurück
08.05.2018
Warenwirtschaft : Betriebsmittelmärkte

IVA: Märkte für Mineraldünger und PSM unter Druck

Thumbnail

Der Industrieverband Agrar hat im Rahmen seiner Jahres-Pressekonferenz für 2017 einen erneuten Umsatzrückgang bei Pflanzenschutzmitteln gemeldet; spürbarer Rückgang bei Stickstoff- und Phosphatdüngern. [...]

Nach Angaben des Industrieverbandes Agrar e. V. (IVA) haben die Unternehmen der agrochemischen Industrie in Deutschland 2017 mit 1,385 Mrd. € etwa 2,1 % weniger Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln erzielt (IVA-Presseinformation PflanzenschutzDRV-Grafik zur Umsatz- und Mengenentwicklung im Pflanzenschutz). Die tatsächlich abgesetzten Mengen gibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) voraussichtlich im August bekannt.

Der Herbizidumsatz stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 % auf 594 Mio. €. Aufgrund von Preisabsenkungen dürfte die Menge stärker angestiegen sein. Der Fungizidumsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 % zurück und lag bei 569 Mio. €. Mit Insektiziden wurden 128 Mio. € umgesetzt (– 5,2 %). Während der Markt für Getreideinsektizide stark rückläufig war, ist der Markt für Rapsinsektizide deutlich gestiegen. Insbesondere die schwierige Bekämpfung von Rapsglanzkäfern führte zu einer sehr hohen Behandlungsintensität. Der Umsatz der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel, z.B. Wachstumsregulatoren, Rodentizide und Molluskizide ging um 6 % auf 94 Mio. € zurück. Für die Umsatzrückgänge 2017 nennt der IVA mehrere Gründe, insbesondere aber die besonderen Witterungseinflüsse, Preisreduzierungen von Markenprodukten und den verstärkten Einsatz preisgünstigerer Produkte.

IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm betonte im Rahmen der IVA-Bilanzpressekonferenz, dass die Defizite im deutschen Zulassungssystem nach wie vor zentrales Thema der Branche sind. Zwar seien 2017 deutlich mehr Zulassungsanträge als in den Vorjahren entschieden worden, doch noch immer liegen zahlreiche, längst verfristete Anträge für neuartige Produkte auf dem Aktenstapel. Um den Zulassungsstau abzubauen, hätten die Behörden jedoch zuletzt vor allem einfachere Anträge, etwa gegenseitige Anerkennungen mit anderen EU-Staaten, abgearbeitet. Umfangreiche und komplexe Dossiers für innovative Produkte gerieten dadurch ins Hintertreffen und würden weiterhin nicht fristgerecht bearbeitet. „Die Situation ist unbefriedigend. Gerade die neuen, innovativen Produkte sollten den Landwirten möglichst schnell zur Verfügung stehen“, forderte Schramm.

Bei Düngemitteln meldet der Industrieverband Agrar e. V. für das Düngejahr 2016/17 Absatzeinbußen für Stickstoff- und Phosphatdünger, während Kali und Kalk zulegten (IVA-Presseinfo Düngemittel). Bezüglich der exakten Werte siehe Meldung vom 1. November 2017.

Ulrich Foth, Vorsitzender des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, sieht hierin die ersten Auswirkungen der seit Sommer 2017 geltenden deutschen Düngeverordnung: „Die schärferen Regelungen haben für erhebliche Verunsicherung bei den Landwirten gesorgt. Die Umsetzung vieler Details, auch bei der zentralen Düngebedarfsermittlung, bleibt unklar und viele Landwirte haben sehr vorsichtig kalkuliert. Zusammen mit den widrigen Witterungsverhältnissen und großen Problemen aufgrund zu knapper Lagerkapazität für Wirtschaftsdünger in einigen Überschussregionen hat dies zu spürbaren Absatzeinbußen für Mineraldünger im laufenden Düngejahr geführt. Wir gehen anhand aktueller Zahlen von einem 10-prozentigen Rückgang für Stickstoff und Phosphat bis zum Sommer aus.“

Für die Zukunft rechnet Schramm damit, dass die Digitalisierung der Landwirtschaft auch das Geschäftsmodell der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldüngern verändern wird: „Wir sehen große Chancen, die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zu steigern. Im Pflanzenbau können wir dem Landwirt wichtige Entscheidungsgrundlagen an die Hand geben, etwa zur detaillierten Nährstoffversorgung seiner Böden oder zu gezielten Behandlungsmöglichkeiten seiner Kulturen. Und wenn Pflanzenschutz- und Düngemittel durch intelligente Ausbringungstechnik zielgerichteter und effizienter eingesetzt werden, schafft das ökologische und ökonomische Vorteile.“

 



 
logo-signatur.png         Deutscher Raiffeisenverband e.V.
In Vertretung
Dr. Michael Reininger
Pflanzenschutz, Düngung, Gefahrstoffe, Digitalisierung
 
Telefon: 030 856214-533

Meist   gelesen

Warenwirtschaft: Internationale Kontakte
Zertifikatehandel macht Agrarlogistik teurer