Jörg Migende: „Wir brauchen den Wochenmarkt und den Weltmarkt“
DRV zur Agrarexportstrategie: In einer Zeit, in der das Prinzip des freien, regelbasierten Welthandels immer mehr mit Füßen getreten wird, kommt die Agrarexportstrategie genau zum richtigen Zeitpunkt
Berlin, 10.12.2025. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) begrüßt ausdrücklich die Agrarexportstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums. „Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft lebt in hohem Maße vom offenen und fairen Welthandel. Rund ein Drittel der Wertschöpfung in unserer Branche wird im Drittlandexport erzielt – das entspricht etwa 18 Milliarden Euro jährlich und sichert rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze“, stellt DRV-Hauptgeschäftsführer Jörg Migende heraus und betont: „Gut, dass Bundesminister Alois Rainer die Initiative ergriffen und den Export zur Chefsache erklärt hat. Wir brauchen den Wochenmarkt und den Weltmarkt.“
Angesichts eines Rekord-Außenhandelsdefizits in der Agrar- und Ernährungswirtschaft von mehr als 17 Milliarden Euro im Jahr 2024 sei es dringend notwendig, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken und neue Absatzmärkte zu erschließen. Laut der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) stiegen die Einfuhren aus dem europäischen Ausland sowie Drittländern auf 98,5 Milliarden Euro, während die Ausfuhren insgesamt lediglich 81,1 Milliarden Euro betrugen. Das Defizit wuchs damit um etwa 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Migende: „Es ist richtig und wichtig, dass nicht nur über die Bedeutung der Automobil- oder Stahlindustrie im internationalen Wettbewerb gesprochen wird, sondern auch die Export-Chancen unserer Agrarunternehmen gestärkt werden. Eine Strategie zur Stärkung der deutschen Agrarexporte ist unverzichtbar, um für Deutschland relevante neue Zielmärkte zu öffnen.“ Dabei gehe es in erster Linie um eine strategische Neuausrichtung und nicht um finanzielle Unterstützung. „Die vom Landwirtschaftsministerium angekündigte enge, zielorientierte Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Verwaltung ist genau der richtige Weg. Auch die Einbindung des Wirtschaftsausschusses für Außenhandelsfragen ist wichtig. Wir erleben einen echten Kurswechsel in der Zusammenarbeit. Gut so“, lobt DRV-Hauptgeschäftsführer Migende. Er macht deutlich: „In einer Zeit, in der das Prinzip des freien, regelbasierten Welthandels immer mehr mit Füßen getreten wird, kommt die heute vorgestellte Agrarexportstrategie genau zum richtigen Zeitpunkt. Dies ist ein wichtiges Statement.“
Migende sieht - wie vom BMLEH vorgesehen – eine angemessene Personalausstattung auf Bundes- und Landesebene sowie in den deutschen Auslandsvertretungen als Grundvoraussetzung an, um Drittlandmärkte zügig zu öffnen und dauerhaft bedienen zu können. Ebenso wichtig sei eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den Ressorts, Abteilungen und Auslandsvertretungen. Migende: „Unsere Wirtschaftsverbände sind bereit, das Ministerium aktiv zu unterstützen – etwa durch Marktanalysen, Zuarbeiten im Zulassungsprozess und die Schaffung gemeinsamer Austauschplattformen.“ Die angestrebte enge Zusammenarbeit werde aber nur gelingen, wenn bürokratische Hürden, hohe Energiepreise und überbordende Berichtspflichten die Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter gefährden. Migende: „Nachhaltigkeitsanforderungen müssen zwischen den Staaten harmonisiert werden, um ökologische, soziale und ökonomische Ziele gleichermaßen zu sichern, ohne den Handel zu behindern.“
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.635 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.
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