Krieg im Nahen Osten belastet die Getreidewirtschaft
Berlin, 12.03.2026. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) sieht die deutsche Getreidewirtschaft durch den Iran-Krieg zusätzlich unter Druck: „Die Betriebe stehen aufgrund niedriger Erzeugerpreise, hoher Energie- und Düngemittelkosten sowie zunehmender geopolitischer Risiken ohnehin schon unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Der Krieg im Nahen Osten verschärft die angespannte Lage zusätzlich,“ erklärt DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler. Traditionell wichtige Absatzmärkte für deutsches Getreide im Nahen Osten sind derzeit wegen logistischer Probleme und den Kriegshandlungen schwieriger zu erreichen. „Die Unsicherheit im Nahen Osten erschwert den Export und verringert die Absatzchancen für deutsches Getreide,“ ergänzt Seedler.
Die erneuten Preisanstiege bei Energie wirken sich zudem unmittelbar auf die Getreideerzeugung aus. Diesel und damit die Transportkosten verteuern sich, und auch die Produktion von Stickstoffdüngern wird kostspieliger. Hintergrund ist das energieintensive Haber-Bosch-Verfahren. Seedler: „Düngemittelkosten können bis zu einem Fünftel der Gesamtbetriebskosten ausmachen.“ Die gute Nachricht: Nach Einschätzung des DRV ist die Versorgung mit ausreichend Düngemitteln für das Frühjahr nicht gefährdet. „Unsere Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen Osten in diesem Bereich sind gering. Außerdem ist vielerorts die erste Düngung bereits erfolgt“, so Seedler.
Getreidewirtschaft braucht dringend eine wirtschaftliche Stabilisierung
Der Verband sieht vier Prioritäten für eine wirtschaftliche Stabilisierung: Zum einen müssten die Drittlandexporte gestärkt werden. „Wir brauchen verlässliche ausländische Absatzmärkte, insbesondere für unseren qualitativ hochwertigen Weizen. Die Agrarexportstrategie des BMLEH weist in die richtige Richtung – jetzt kommt es auf die Umsetzung an“, betont Seedler.
Weiterhin müssten die Energiekosten gesenkt werden. Eine Reduzierung von Steuern und Abgaben würde die landwirtschaftliche Produktion spürbar entlasten und zugleich die Kosten der Düngemittelherstellung in europäischen Werken senken. Seedler: Wichtig ist es, die Kosten dort zu senken, wo sie entstehen. Steuern und Abgaben sind hierfür der richtige Hebel. In diesem Zusammenhang sollte über eine befristete Aussetzung oder Reduzierung des CO2-Preises oder eine Absenkung der Energiesteuer nachgedacht werden.“ Außerdem mindere ein Ausbau der Erneuerbaren Energien die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Darüber hinaus würden sich durch eine stärkere Nutzung von Biogas und Biokraftstoffen zusätzliche Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Rohstoffe schaffen lassen. Seedler warnt daher: „Die geplante Novellierung des EEG muss sicherstellen, dass Investitionen in Erneuerbare Energien weiterhin attraktiv bleiben. Das gilt in besonderem Maße für die Bioenergie.“
Eine weitere wichtige Stellschraube zur wirtschaftlichen Stabilisierung sei ein professionelles betriebliches Risikomanagement. Hier stehen die Genossenschaften der Landwirtschaft als verlässlicher Partner zur Seite. Über Vorkontrakte können nicht nur Preise für den Verkauf von Getreide und Raps abgesichert werden. Auch beim Einkauf von Düngemitteln und Energie bestehen solche Möglichkeiten.
Keinesfalls dürfe es staatliche Markteingriffe geben: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Interventionen oder Garantiepreise keine strukturellen Probleme lösen, sondern hohe Folgekosten verursachen“, betont der DRV-Getreidemarktexperte.
Erste Ernteprognose 2026: Mehr Fläche, stabile Bestände
Für die Ernte 2026 erwartet der DRV eine moderate Ausweitung der Anbauflächen: So sieht der Verband Zuwächse bei Weizen, Gerste, Raps und beim Körnermais. Die Bestände sind nach aktuellem Stand gut durch den Winter gekommen. Der DRV rechnet mit einer Erzeugung von 43,7 Millionen Tonnen Getreide und gut 4,1 Millionen Tonnen Raps – ein insgesamt leicht überdurchschnittliches Ergebnis. „Ob wir diese Mengen tatsächlich einfahren, entscheidet – wie jedes Jahr – vor allem das Wetter in den kommenden Monaten,“ erklärt Seedler.
Details zur Schätzung: siehe Tabellen
Hier gelangen Sie zum Video-Interview zur ersten DRV-Ernteschätzung 2026 mit Guido Seedler: https://youtu.be/hY2U4D9F1qc
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.635 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.
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