Zurück
04.04.2019
Warenwirtschaft/Agrargenossenschaften:

Ländliche Räume nicht abschreiben

Thumbnail

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt in seiner aktuellen Studie „Produktivitätsentwicklung in Deutschland – Regionale und sektorale Heterogenität“ davor, die ländlichen Räume abzuschreiben. Diese Aussage steht im Widerspruch zum Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung, das sich unlängst dafür ausgesprochen hatte, die Städte aus wirtschaftspolitischer Sicht zu stärken. Wir hatten Sie mit Meldung vom 11. März über diese Studie informiert.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass trotz der leichten Annäherung das wirtschaftliche Effizienzniveau von großstädtischen Räumen immer noch deutlich über dem von vielen ländlichen Regionen liegt.

Die Ergebnisse der von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen Studien lauten wie folgt:

1. Im Hinblick auf die Arbeitsproduktivität gibt es ausgeprägte Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Im Jahr 2017 hatten städtische Räume eine um 11 Prozent höhere Produktivität als der gesamtdeutsche Durchschnitt. Bei dem Dienstleistungsbereich Mobilität waren es sogar annähernd 24 Prozent. Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, dass Städte in der Regel eine gute Infrastruktur sowie eine gute Vernetzung mit ihrem Umland aufweisen, was wiederum Unternehmen anzieht und die Arbeitsproduktivität steigert.

2. Das West-Ost-Gefälle wird immer mehr zu einer Stadt-Land-Spaltung.

Hinsichtlich der Faktorproduktivität besteht nicht nur zwischen ost- und westdeutschen Unternehmen ein deutlicher Unterschied, sondern auch zwischen Stadt und Land liegt eine deutliche Diskrepanz vor. Ausschlaggebend für den Ost-West-Unterschied ist nach Ansicht des DIW im Wesentlichen die räumliche Struktur Ostdeutschlands. Diesbezüglich lässt sich der identifizierte Produktivitätsunterschied zwischen Ost- und Westdeutschland in einem erheblichen Maße auf den Unterschied zwischen eher städtisch geprägten und eher ländlich geprägten Räumen zurückführen. Den Forschern zur Folge muss die Spanne zwischen den beiden Regionen auch zukünftig erwartet werden, da sich die ländliche Prägung Ostdeutschlands ohne weitere Förderung auf absehbare Zeit nicht ändern wird.

3. Ländliche Regionen bedürfen einer gezielten Förderung.

Um ein weiteres Absacken der ländlich geprägten Räume in der gesamten Republik zu vermeiden, ziehen die DIW-Forscher den Schluss, nicht nur die Städte weiter zu festigen, sondern auch die ländlichen Regionen deutlich stärker zu fördern. Demzufolge soll das Investitions- volumen weniger in städtische Boomregionen mit einer bereits vorhandenen hohen Kapitalausstattung gesteckt werden, sondern vielmehr sollen die Investitionen in produktiv schwache ländliche Räume fließen. Somit soll der wirtschaftliche Erfolg gleichmäßig über alle Regionen der Bundesrepublik verteilt werden.

Die Studie unterstützt die Position des DRV, gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland zu schaffen. Ein entscheidender Faktor dafür ist eine Förderung, die zur Schaffung und Aufrechterhaltung einer leistungsfähigen Infrastruktur einschließlich Breitbandausbau beiträgt. Nur wenn diese Faktoren gegeben sind, wird der ländliche Raum Unternehmen und deren Mitarbeitern eine Perspektive bieten können.

Schlagworte


 
logo-signatur.png         Deutscher Raiffeisenverband e.V.
In Vertretung
RA Dipl.-Ing. agr. Guido Seedler
Getreide/Ölsaaten, Energierecht, Agrargenossenschaften
 
Telefon: 030 856214-410

Meist   gelesen

Pflanzenschutzverbot in Haus- und Kleingärten
Bundeskabinett beschließt Klimaschutzprogramm