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11.03.2019
Warenwirtschaft/Agrargenossenschaften:

Ländlichen Raum im Osten abschreiben?

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Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) hat sich in der Studie „Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall!“ u. a. dafür ausgesprochen, die Städte zu stärken, um das ganze Land voranzubringen. Diese Aussage hat eine Diskussion um die Zukunft der ländlichen Räume in Ostdeutschland entfacht.

Die Wissenschaftler kommen zum Ergebnis, dass sich Deutschland in den vergangenen 30 Jahren im internationalen Vergleich gut entwickelt habe, gleichwohl seien die Unterschiede zwischen Ost und West teilweise noch gravierend.

Die Kernaussagen der Studien lauten wie folgt:

1. Die Wirtschaft im Osten Deutschlands ist weniger produktiv als im Westen – aber nicht nur wegen fehlender Konzernzentralen.

464 der 500 größten Unternehmen haben ihren Sitz im Westen. Da nach Aussagen des IWH die Produktivität mit steigender Unternehmensgröße zunimmt, ist folglich in Ostdeutschaland eine geringere Produktivität als im Westen zu verzeichnen.

2. Wer die Städte stärkt, bringt das ganze Land voran.

Die Produktivität unterscheidet sich zwischen den ost- und westdeutschen Städten mehr als zwischen den ländlichen Regionen. Während drei Viertel der Beschäftigten im Westen in Städten arbeiten, sind es im Osten nur die Hälfte. Wenn sich aber die Wirtschaftskraft in Ost und West weiter annähern soll, müssen nach Ansicht der Wissenschaftler vor allem die Städte gestärkt werden. Denn dort entstehen jene hochwertigen Dienstleistungen, die die Wirtschaft mehr und mehr bestimmen. In der Wissensgesellschaft sind Städte die zentralen Orte von Forschung, Innovation und Wertschöpfung – und damit für Wohlstand.

3. Für mehr Fortschritt braucht es hinreichend Fachkräfte.

In Ostdeutschland herrscht kein genereller Mangel mehr an Sachkapital. Aber es fehlen dort zunehmend Fachkräfte. Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, dass im Osten die Schulabbrecherquote höher als im Westen ist, zahlreiche Arbeitskräfte aufgrund der besseren Berufsaussichten in den Westen ziehen und Zuwanderer ihre Zukunft ebenfalls lieber im Westen suchen.

Aus Sicht des DRV trifft die diesem Gutachten entgegengehaltene Kritik, man solle den ländlichen Raum im Osten aufgeben, nicht ausdrücklich zu. Gleichwohl ist kritisch zu hinterfragen, ob eine Stärkung der Städte der richtige Weg zu mehr Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit ist. Aus Sicht des DRV sollte vielmehr weiterhin angestrebt werden, gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland zu schaffen. Ein entscheidender Faktor dafür ist die Schaffung und Aufrechterhaltung einer leistungsfähigen Infrastruktur einschließlich Breitbandausbau. Nur wenn diese Faktoren gegeben sind, wird der ländliche Raum Unternehmen und deren Mitarbeitern eine Perspektive durch z. B. niedrigere Wohn- und Lebenshaltungskosten bieten können.

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In Vertretung
RA Dipl.-Ing. agr. Guido Seedler
Getreide/Ölsaaten, Energierecht, Agrargenossenschaften
 
Telefon: 030 856214-410

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