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05.05.2020
Pflanzenschutz / Handelsdünger: IVA-Jahrespressekonferenz

Markt für Agrarchemikalien 2019 erneut rückläufig

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Gemäß Industrieverband Agrar e. V. (IVA) wurden im zurückliegenden Jahr erneut 7 % weniger Pflanzenschutzmittel verkauft als im Vorjahr. Fungizide bei – 13 %. Nur Insektizide mit Umsatzplus. Handelsdünger ebenfalls rückläufig.
 

Mit Meldung vom 8. November 2019 haben wir über den deutlichen Rückgang beim Absatz von Pflanzenschutzmitteln berichtet. Die Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (– 12 %) übertrafen dabei noch die im Mai 2019 vom Industrieverband Agrar e. V. (IVA) ausgewiesenen Umsatzrückgänge (– 7,4 %). Mit Meldung vom 11. November 2019 haben wir über den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Rückgang bei N- und P-Düngern im Wirtschaftsjahr 2018/19 berichtet.
 

Am 5. Mai 2020 hat der IVA nun im Rahmen seiner Jahres-Pressekonferenz (IVA-Pressemeldung) Umsatzzahlen für das Jahr 2019 veröffentlicht:

Demnach belief sich der Nettoinlandsumsatz im Direktgeschäft zwischen der im IVA organisierten Industrie und dem Pflanzenschutz-Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln im Geschäftsjahr 2019 auf 1,193 Mrd. €, das sind erneut 6,9 % weniger als im Vorjahr (1,282 Mrd. €). Damit fiel das Niveau des Markts unter das des Jahres 2007 (1,233 Mrd. €) (siehe DRV-Grafik zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln). 

Die Ackerbaukulturen haben – so der IVA – den Winter von 2018 auf 2019 ohne nennenswerte Auswinterungsschäden überstanden und entwickelten sich im Frühjahr gut. Die Raps-Anbaufläche war im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich reduziert, was sich auch auf den Pflanzenschutzmittel-Absatz auswirkte. Die Pflanzenschutzsaison begann im Vergleich zu den Vorjahren relativ früh und war im März und April positiv. Ab Mai setzte wie im Vorjahr eine ungewöhnliche Trockenheit ein, die sich bis in den Spätsommer hinzog. Insbesondere in Ost-und Norddeutschland litten Getreide und Mais unter Wassermangel. Die späten Fungizid-Maßnahmen im Getreide und zahlreichen Anwendungen im Bereich der Spezialkulturen Wein und Obst wurden reduziert oder entfielen ganz. Erneut sanken die Getreide-und Rapserträge in einigen Regionen deutlich unter den langjährigen Mittelwert.

Der Herbizidumsatz fiel um 4 % auf 545 Mio. €. Der Einsatz von Getreideherbiziden auf leicht gestiegener Wintergetreidefläche zog wegen der Witterungsbedingungen im Herbst 2018 um über 20 % an, im Frühjahr 2019 sank er hingegen ein wenig. Der Markt für Rübenherbizide war gut, der Einsatz jedoch eher verhalten. Der Fungizidumsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um weitere 12,8 % zurück und beträgt 435 Mio. €. Dabei hat sich der Marktwert der Getreidefungizide positiv entwickelt und stieg um 7 %. Dagegen sank der Fungizideinsatz im Raps um 25 %. Damit hat sich der Marktwert der Rapsfungizide innerhalb von zwei Jahren halbiert. Der Insektizidumsatz (einschließlich Akariziden und Synergisten) liegt mit 134 Mio. € um 1,5 % über dem Wert des Vorjahres. Entsprechend der Reduktion der Anbaufläche ist der Markt für Rapsinsektizide deutlich um 33 % gesunken. Dagegen stieg der Markt für Getreideinsektizide um 17 %. Der Umsatz für Pflanzenschutzmittel für Haus und Garten lag im Jahr 2019 bei insgesamt 52,9 Mio. €, ein Rückgang von etwa 13 % gegenüber dem Vorjahr (60,9 Mio. €). Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der detaillierten IVA-Presseinformation zum Pflanzenschutzmarkt 2019.

Den Markt für Handelsdünger sieht der IVA mit Absatzeinbußen durch schwierige Rahmenbedingungen. Schwierige, regional sehr unterschiedliche Witterungsbedingungen hätten eine bedeutende Rolle gespielt. Das implizierte erneut deutliche Absatzrückgänge von stickstoff- und phosphathaltigen Düngemitteln. Großen Einfluss auf den Rückgang hatten unter anderem auch die anhaltenden Auswirkungen der Dürre 2018, denn durch die geringe Bodenfeuchte sind die Frühjahrsgaben regional deutlich geringer ausgefallen. Bei den Stickstoffdüngern erreichte der Absatz 2018/19 ein Volumen von insgesamt 1,342 Mio. t (– 10 %). Dabei verweist der IVA auf die großen Lagerbestände, die – neben den schwierigen Witterungsverhältnissen – den Absatz zusätzlich beeinträchtigt haben. Zudem verstärken die strengen Vorgaben der Düngeverordnung die zurückhaltenden Düngemaßnahmen. Der Marktanteil von Kalkammonsalpeter lag bei knapp 37 %. Damit war er traditionsgemäß wieder der bedeutendste mineralische Stickstoffdünger. Aufgrund des weiteren Absatzrückgangs auf 236 Tsd. t kommt Harnstoff nur noch auf einen Marktanteil von gut 17 %. Bei den „anderen Einnährstoffdüngern“, zu denen auch die schwefelhaltigen Düngemittel wie Ammonsulfatsalpeter zählen, gab es einen Rückgang um 7 %. Bei Phosphatdüngern ist erneut ein Rückgang um 4 % zu verzeichnen. Besonders deutlich war der Absatzrückgang bei den NP-Düngemitteln mit einem Minus von 21 %. Der Absatz von Superphosphaten konnte sich dagegen leicht erholen. Bei den PK-Mehrnährstoffdüngern hat sich der Absatz auf 20 573 Tonnen fast verdoppelt, allerdings liegt dem – so der IVA – ein statistischer Fehler im vorherigen Düngejahr zugrunde. Kalidünger konnte eine Zunahme von 8 % verzeichnen. Der Verkauf lag bei 410 Tsd. t. Dies liegt im Wesentlichen am vermeintlichen Anstieg des Absatzes von PK-Düngern. Der Absatz der übrigen kalihaltigen Düngemittel blieb einigermaßen konstant. Wichtigster Kalidünger bleibt Kaliumchlorid mit einem Anteil von 68 %. Kalkdünger hatte nach 2 positiven Jahren einen leichten Rückgang zu verzeichnen. Der Absatz lag mit einem Minus von 2 % 2,87 Mio. t. Rund 79 % des Kalk-Absatzes entfallen auf den „kohlensauren Kalk“. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der detaillierten IVA-Presseinformation zum Mineraldüngermarkt 2018/19.

Besonders ging der IVA im Rahmen seiner Pressekonferenz auf die mangelnde Wirkstoffverfügbarkeit ein. Schon jetzt sei Deutschland bei vielen Nahrungsmitteln von Importen abhängig. Nur bei Weizen und Gerste sowie bei Kartoffeln und Zuckerrüben sei Deutschland aktuell Selbstversorger. Bei Ölsaaten, vor allem aber bei den meisten Obst- und Gemüsesorten sei Deutschland schon heute zum großen Teil auf Importe angewiesen, jeder zweite Apfel stamme aus dem Ausland. Diese Importabhängigkeit steige an, wenn in besonders schlechten Jahren die Erträge sinken oder durch die politisch gewollte Ausweitung des ökologischen Anbaus die inländische Erntemenge insgesamt zurückgehe. Details und die zugehörigen Berechnungen stehen in einem ausführlichen Hintergrundpapier auf www.iva.de zur Verfügung.



 
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In Vertretung
Dr. Michael Reininger
Pflanzenschutz, Düngung, Gefahrstoffe, Digitalisierung
 
Telefon: 030 856214-533

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