Seedler: „Getreidewirtschaft stärken, heißt die Resilienz im Ernährungs- und Energiebereich stärken“
Berlin, 11.06.2026. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) sieht die Erschließung neuer Marktchancen als wichtigen Baustein für die nachhaltige Stärkung des deutschen Ackerbaus an. „Die Nachfrage nach Getreide in Deutschland stagniert, während weltweit der Bedarf steigt“, erklärt DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler und verweist auf das globale Bevölkerungswachstum und den dadurch wachsenden Bedarf an Lebens- und Futtermitteln sowie Energie. Seedler: „Deutschland ist ein Gunststandort für den Getreide- und Rapsanbau mit stabilen Erträgen in Mengen und Qualität. Diese Stärke ist mit einer Verantwortung verbunden und muss erhalten bleiben.“ Mit Sorge sieht Seedler daher, dass die heimischen Betriebe zunehmend unter Druck geraten: „Die Produktionskosten steigen kontinuierlich, während die Erzeugerpreise nicht Schritt halten. Unsere Landwirtinnen und Landwirte stehen nicht zuletzt wegen der aktuell hohen Düngerkosten wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand.“ Ohne neue Absatzmöglichkeiten und eine verlässliche Energiepolitik drohe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Getreidewirtschaft zu erodieren. „Das darf nicht passieren, denn eine leistungsfähige Getreidewirtschaft ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch relevant“, warnt Seedler.
Neue Exportmärkte öffnen – Indonesien als positives Signal
Ausdrücklich begrüßt der DRV die Anstrengungen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), den Zugang zu internationalen Märkten auszubauen. „Die Öffnung des indonesischen Markts für deutschen Weizen ist nach vielen Jahren der Verhandlungen ein wichtiger Erfolg. Das Land zählt mit einem Importbedarf von rund elf Millionen Tonnen Weizen zu den größten Nachfragern auf dem Weltmarkt“, so Seedler und lenkt den Blick auf das nächste große Ziel: Die Öffnung des chinesischen Markts für deutsche Gerste und Weizen. Der DRV erhofft sich neue Impulse für die Verhandlungen durch die China-Reise von Bundesminister Alois Rainer in der kommenden Woche.
Energiepolitik neu ausrichten – Potenziale nutzen
Außerdem fordert der DRV eine klare Perspektive für die energetische Nutzung agrarischer Rohstoffe. Die jüngste Anhebung der Treibhausgasminderungsquote für Biokraftstoffe sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Doch das reicht nicht aus. Wir brauchen eine langfristige Strategie, die heimische Rohstoffe einbindet und Investitionssicherheit schafft“, erklärt der DRV-Getreidemarktexperte. Besonders wichtig ist dem DRV die Zukunft der Biogasanlagen, von denen viele vor dem Auslaufen ihrer Förderung stehen. Seedler: „Die Zukunft liegt im Biomethan. Es kann flexibel eingesetzt werden, stärkt die regionale Energieversorgung und schafft zusätzliche Wertschöpfung in ländlichen Räumen.“ Daher müsse die Politik jetzt die Weichen stellen. „Die heimische Getreideproduktion zu stärken heißt, die Resilienz Deutschlands im Ernährungs- aber auch im Energiebereich zu stärken. Das muss ein strategisches Ziel der Bundesregierung sein“, betont Seedler und stellt heraus: „Nur mit klaren Perspektiven bleibt die deutsche Getreidewirtschaft ein starker Pfeiler unserer Versorgungssicherheit.“
Leicht überdurchschnittliche Ernte erwartet
Der DRV hält seine leicht überdurchschnittliche Ernteprognose von 44,1 Millionen Tonnen Getreide und 4,2 Millionen Tonnen Raps trotz der teilweise großen Hitze in den vergangenen Wochen aufrecht. Grund dafür ist, dass es nahezu flächendeckend ausreichend regnete. Die Wintergerste beginnt in vielen Regionen mit der Abreife. In den Frühdruschgebieten werden die Mährescher in zirka zehn Tagen mit der Ernte beginnen.
Details zur Schätzung: siehe Tabellen
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.635 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 77,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.
Deutscher Raiffeisenverband e.V. Im Auftrag Marcus Gernsbeck Pressesprecher Mobil: +49 172 7196856 E-Mail: presse@drv.raiffeisen.de |
Deutscher Raiffeisenverband e.V. In Vertretung RA Dipl.-Ing. agr. Guido Seedler Getreide / Ölsaaten, Energie, Nachhaltigkeit, Agrargenossenschaften Telefon: 030 856214-410 E-Mail: seedler@drv.raiffeisen.de |