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28.04.2017
Vieh und Fleisch: Staatliche Tierwohllabel

Veröffentlichung der Kriterien führt zu Unzufriedenheit

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Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) publizierte am 26.04.2017 auf der BMEL-Homepage die Kriterien zum Staatlichen Tierwohllabel für die Produktgruppe Schwein. Diese wurden im Rahmen von Arbeitsgruppen in wechselnder Zusammensetzung von November 2016 bis April 2017 erarbeitet.

Mit der Veröffentlichung der Kriterien ebbt die Kritik an dem staatlichen Tierwohllabel nicht ab, da insbesondere Fragen des organisatorischen Aufbaus, der Finanzierbarkeit und eine verlässliche Basis für notwendige Investitionen weiterhin vom Ministerium unbeantwortet bleiben. Tierschutzorganisationen nahmen die Veröffentlichung zum Anlass aus dem gemeinsamen Entwicklungsprozess auszutreten. Diese Reaktion zeigt damit deutliche Parallelen zur Zusammenarbeit mit der Initiative Tierwohl. Weiterhin bleibt auch offen wie die bestehende und gut funktionierende Initiative Tierwohl und das Staatliche Tierwohllabel parallel nebeneinander oder in möglicher Zusammenarbeit agieren.

Was sieht das staatliche Label für die Schweinefleisch erzeugende Kette vor.

Hinter dem Label steckt ein zweistufiges System mit einer Einstiegs- und einer Premiumstufe. Die definierten Kriterien sind innerhalb einer Stufe von der Ferkelerzeugung über die –aufzucht und der Mast einzuhalten, um damit die Nämlichkeit zu erfüllen.

Die Einstiegsstufe beinhaltet zwölf unterschiedliche Kriterien, die in acht Punkten (Tierschutzfortbildung, Schlachtung, Eigenkontrollen, Ferkelkastration, Säugephase, Fixierung der Sau im Deckzentrum, Raufutter und Beschäftigung) wortgleich zu den Kriterien der Premiumstufe formuliert sind.

Im Vergleich zur Einstiegsstufe gibt es in der Premiumstufe ein ergänzendes Kriterium: Keine Fixierung der Sauen in der Abferkelung und Bereitstellung von Nestbaumaterial. Weiterhin sind die Kriterien Platzangebot, Buchtenstruktur, Schwanzkupieren und Transportdauer in ihrer Ausgestaltung zwischen Einstiegs- und Premiumstufe unterschiedlich.

Die Realisierung der Anforderungen in der Schweinefleisch erzeugenden Kette setzt bereits in der Einsteigerstufe finanzielle Investitionen in die Stalleinrichtungen voraus, um die Anforderungen an das Deckzentrum sowie der Ferkelaufzucht einhalten zu können. Die Umsetzung der Premiumstufe bedarf gegebenenfalls einer vollständigen Umstrukturierung der Schweinehaltung, insbesondere durch Schaffung von Auslauf.

Bauliche Änderungen erfordern Verlässlichkeit im Markt, um diese tätigen zu können. Die Umsetzung von Tierwohl-Fleischprogrammen – mit der Voraussetzung der Nämlichkeit – ist bis heute in Deutschland über eine Nischenproduktion nicht hinausgekommen. Hierfür sind unterschiedlichste Gründe anzuführen wie u. a. die Diskrepanz zwischen tatsächlichen Konsumverhalten und in Umfragen dargelegtem „gewünschten Konsumverhalten“. Deshalb ist es zwingend notwendig, Strukturen innerhalb des Staatlichen Tierwohllabels zu schaffen, um den mit zwischen 10 und 20 Prozent angestrebten Marktanteil wettbewerbsfähig produzieren zu können. Die Vermarktung eines Schweineschlachtkörpers erfolgt nur in Teilen über Frischfleisch. Vermarktung über die Schienen Verarbeitung sowie Verkauf in den EU-Binnenmarkt und Drittlandexport tragen nur sehr bedingt zu den notwendigen Mehrerlösen bei, da diese Märkte diese Eigenschaften finanziell nicht honorieren bzw. durch billigere Alternativen substituieren werden. Deshalb ist der seitens des BMEL genannte Preisaufschlag von 20 Prozent bereits auch für die Einsteigerstufe zu niedrig angesetzt.

Vergleich der Kriterien Staatliches Tierwohllabel Einstiegs- zu Premiumstufe



DRV Deutscher Raiffeisenverband e.V.
In Vertretung
Dr. Verena Schütz
Vieh- und Fleischwirtschaft
Telefon: 030 856214-467
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