Obst, Gemüse, Gartenbau

 

 

Die Unternehmen der genossenschaftlichen Obst-, Gemüse- und Gartenbauwirtschaft erzielten nach ersten DRV-Schätzungen im Jahr 2019 einen Umsatz von gut 3,5 Milliarden Euro. Dabei glichen gute Ergebnisse bei Zierpflanzen und Obst das leichte Minus bei Gemüse mehr als aus.

Wie im Vorjahr war auch 2019 die Vegetationszeit der Kartoffeln in West- und Mitteleuropa von Hitze und Dürre geprägt. Das Wetter war nicht so extrem wie 2018, dennoch waren viele Böden aus dem Vorjahr noch tief ausgetrocknet, so dass die Vegetationsverhältnisse insgesamt ähnlich schlecht waren wie in 2018.

Obst

Nach einer großen Obsternte 2018/19 fällt die Ernte 2019/20 in Deutschland mit 1,28 Mio. t wieder kleiner aus, bleibt allerdings nur wenig unter dem Mittelwert der vorangegangenen Jahre. Die größten Einbußen gab es bei Pflaumen/Zwetschen und bei Birnen. Dabei begann die Saison mit hohen Lagervorräten an Äpfeln, die in der ersten Jahreshälfte für ein sehr niedriges Preisniveau sorgten. Da auch die Ware der Südhalbkugel spät verkauft wurde, erholten sich die Preise erst im Herbst mit Verzögerung. Insgesamt wird aber bei Frischobst mit einem leichten Umsatzzuwachs bei den in der Marktstatistik der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) erfassten Erzeugermärkte in Deutschland gerechnet.

Gemüse

In Deutschland wurde die Fläche im Freiland nach leichten Einschränkungen im Vorjahr 2019 wieder um ca. 3 % ausgeweitet. Bei der Produktion schätzen wir das Plus gegenüber dem Vorjahr mit einer Ernte von 3,85 Mio. t insgesamt auf 9 %. Dabei begann die Saison zunächst mit begrenzten Mengen, denn die kühle Witterung im Mai sorgte für ein stockendes Wachstum. Die im Juni einsetzende Hitzeperiode verursachte dann aber rasch steigende Mengen, von Juli bis September war der Markt gut versorgt. Bei den Preisen gab es weniger Fluktuation als sonst, ausgesprochene Niedrigpreisphasen oder Preisspitzen waren selten.

Die Lagergemüsearten reagierten unterschiedlich auf die Witterungsverhältnisse. Die Zwiebeln wiesen eher unterdurchschnittliche Erträge auf. Niederschläge im September begünstigten den Ertrag nicht mehr, sondern beeinträchtigten eher die Qualität. Bei den Möhren glichen die Niederschläge im Herbst noch viel aus. Mit guten Erträgen rechnet man dagegen beim Kopfkohl. Die Preissituation spiegelt die Ertragssituation wider.

Bei den Gewächshausflächen kam 2019 im Gegensatz zum Vorjahr wenig dazu, deshalb ist hier von gleichbleibenden Ernten auszugehen. Insgesamt rechnen wir beim Gemüseumsatz der in der AMI Marktstatistik erfassten Erzeugermärkte mit einem leichten Umsatzrückgang.

Pflanzenerzeugnisse

Auch im Jahr 2019 konnte der Markt für Blumen und Zierpflanzen wachsen. Nach Schätzungen der AMI auf Basis der ersten neun Monate des Jahres 2019 wächst das Marktvolumen um 2,7 % auf 8,9 Mrd. EUR (zu Einzelhandelspreisen). Über nahezu alle Produktbereiche hinweg profitierte der Markt von gestiegenen Verbraucherausgaben. Sowohl Gartenpflanzen als auch Schnittblumen lagen 2019 mit jeweils 2,7% respektive 4,7 % über ihrem Vorjahresergebnis. Bei Schnittblumen war allerdings, bedingt durch den heißen Sommer, das Vorjahresergebnis bereits besonders niedrig.

Wachsender Kartoffelanbau

Ein größerer Bedarf an Speise– und Verarbeitungskartoffeln im Sommer 2019 und hohe Preise haben eine Ausweitung des Kartoffelanbaus gefördert. Dies nahmen Erzeuger in Deutschland und Westeuropa aber nicht für jede Verwendung vor. Vor allem mehr Speisekartoffeln anzubauen war wegen einer möglicherweise großen Versorgung mit Frühkartoffelimporten aus dem Mittelmeerraum ein Wagnis, wohingegen ein absehbar wesentlich größerer Bedarf der Verarbeitungsindustrie eher Chancen auf mehr Absatz und gute Erlöse versprach.

In Deutschland herrscht Ungewissheit über die tatsächliche Anbauentwicklung. Von der amtlichen Statistik abgeleitet wäre die Konsumkartoffelfläche um 22 % auf über 200.000 ha gewachsen. Einschließlich Stärke- und Pflanzkartoffeln sollen es 276.000 (Vorjahr: 252.200) ha sein. Das wird aber als wenig wahrscheinlich angenommen und von INVEKOS-Daten auch nicht bestätigt. Korrigiert man die amtlichen Daten entsprechend, käme auch der deutsche Anbauzuwachs bei Konsumkartoffeln auf rund 5 %. Die Ernte von Speisekartoffeln schätzt die AMI auf 4,8 Mio. t, nach 4,6 Mio. t im Vorjahr.

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Arbeitsfelder der DRV-Sparte Obst-, Gemüse- und Gartenbauwirtschaft

Politische Herausforderungen

Die Branche ist weiterhin intensiv bestrebt, neue Absatzmärkte in Drittländern, insbesondere in Asien zu erschließen, um die Folgen des russischen Importstopps auszugleichen. Mit Einführung des Mindestlohns haben die Produzenten und Erzeugerorganisationen erhöhte Lohnkosten zu verkraften. Der DRV hat sich gegenüber der Politik im Schulterschluss mit befreundeten Verbänden für Ausnahmeregelungen für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Regionalität genießt in der Vermarktung bei den Verbrauchern gleichbleibend höchste Priorität. Somit haben deutsche Produkte eine gute Position am Markt.

Gemeinschaftsstand in Hongkong

Auf der Asia Fruit Logistica in Hongkong war Deutschland vom 4. bis 6. September 2019 das dritte Mal in Folge auf Initiative der BVEO und des "Fruchthandel Magazins" mit einem durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Gemeinschaftsstand vertreten. Zehn Unternehmen der deutschen Obst- und Gemüsewirtschaft präsentierten sich dem stetig wachsenden Fachpublikum. In der Nachfrage des asiatischen Raumes liegt Potenzial für hiesige Produkte.

DRV-Fachtagung

Die DRV-Fachtagung Obst und Gemüse fand vom 17. bis 19. März 2018 im Penta Hotel in Leipzig statt. Schwerpunktthemen waren Aspekte in der Verbraucherkommunikation, Nachhaltigkeit und Verpackungen, die aktuellen Entwicklungen zur GAP nach 2020, Unfaire Handelspraktiken und der Themenblock Gemeinsame Marktorganisation.

Gemeinsame Gemüsekampagne

Frischgemüsekonsum der jungen Generation anzukurbeln, das ist das Ziel einer neuen Kampagne speziell für den Gemüsebereich. Von 2019 bis Ende 2021 wird die Kampagne mit dem Slogan „Gemüse sind die neuen Sneakers“ auf dem deutschen und belgischen Markt laufen und mit frechen Sprüchen und kurzen Videos Gemüse in den Mittelpunkt stellen. Über diverse Social-Media-Kanäle soll sie junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren ansprechen, um mehr Gemüse auf ihren Speiseplan zu bringen. Finanziell unterstützt wird die Kampagne durch die EU. Partner auf der belgischen Seite ist Flanderns Agrar-Marketing-Büro (VLAM). 

„Deutschland – Mein Garten.“

Die erfolgreiche Kampagne der vergangenen Jahre inklusive der Betreuung des Pressebüros, der Beantwortung von Presseanfragen, begleitender Medienarbeit sowie der Pflege und dem Ausbau der Webseite und der sozialen Kanäle wurde fortgesetzt. Highlight-Aktionen in 2019 waren der Tag des deutschen Apfels, eine Neuauflage des sehr erfolgreichen Saisonkalenders, die Fortführung der Ernte-Tour, das traditionelle Apfelkabinett im Kanzleramt und die Aktionen des „Crazy Street Food“. Die Webseite kommt im Schnitt auf 100.000 Besuche pro Monat und die Facebook-Seite zählt mittlerweile knapp 9.000 Fans. Mehr unter www.deutsches-obst-und-gemuese.de